Die Eislöcher am Zastlerbach.

Der Krummbach ist ein knapp 17 km langer linker Nebenbach der Dreisam im Südschwarzwald östlich von Freiburg im Breisgau. Sein Oberlauf ist bekannter als Zastlerbach. Und genau dort wollte ich mal wieder ein paar schöne und typische Landschaftsaufnahmen aus dem Schwarzwald machen. Für Bachläufe nutze ich als Stilmittel in der Regel immer die Langzeitbelichtung.

 

Was sind eigentlich Langzeitbelichtungen?

Wie der Name schon sagt, sind es Belichtungszeiten, die über eine längere Zeit dauern. Längere Zeit heißt in dem Fall meist etwas ab ein, zwei Sekunden. Je länger die Kamera belichtet, desto mehr Bewegung nimmt sie vor der Linse auf. Wenn sich ein Mensch vor der Kamera mehrere Sekunden bewegt, wird er nicht mehr scharf, sondern sehr verschwommen abgebildet. Das Gleiche lässt sich auch in der Natur beobachten: Belichtet man mehrere Sekunden, so entstehen so genannte Wolkenzieher – die Wolken werden in ihren Bewegungen eingefangen. Mit statischen Elementen, wie Steine oder eben Küstenstreifen, ergibt sich so ein besonderes Gesamtbild.

 

Damit man allerdings überhaupt lange belichten kann, benötigt man eine Hilfe – zumindest tagsüber: Damit nach mehreren Sekunden das Bild nicht einfach nur sehr hell ist, schraubt oder steckt man einen so genannten ND-Filter vor die Linse. Dieser Filter hat unterschiedliche Dunkelheitsgrade und fungiert wie eine Sonnenbrille – er schluckt Licht und dadurch kann man länger belichten. Abends zu Sonnenuntergang oder danach ist eh wenig Licht vorhanden, dann braucht man für Langzeitbelichtungen wenn überhaupt nur schwache ND-Filter. Um aber an einem sonnigen Tag in der Mittagszeit zwanzig Sekunden oder länger belichten zu können, braucht es einen wirklich starken Filter. Ich nutze dafür meist einen 1000-fachen ND-Filter, der entsprechend viel Licht schluckt.

 

Je weniger Licht vorhanden, desto länger muss belichtet werden – und das ist ja das Ziel. Dementsprechend wird der Filter vor die Linse geschraubt, eine Standard-Blende im Bereich von sechs bis zehn eingestellt und anschließend anhand der Belichtungskorrektur so lange die Belichtungszeit gewählt, dass das Bild nicht zu hell oder zu dunkel wird. Alternativ lässt sich das auch mit Tabellen ausrechnen, die man in allen möglichen Apps finden oder auch nachlesen kann.

 

Die Zastler Eislöcher.

Der Zastlerbach entsteht aus vielen Quellen des Zastler Lochs, des höchstgelegenen nicht-alpinen Kares in Deutschland. Ein Kar ist eine kesselförmige Eintiefung an Berghängen unterhalb von Gipfeln oder Kämmen, die von kleinen Gletschern ausgeschürft worden sind. Bis in den Sommer hinein wird der Zastlerbach vom Schmelzwasser des Feldberggipfels gespeist.

 

Der Zastlerbach durchfließt anschließend ein stufenartiges Tal. An der untersten Stufe findet man aufgrund des abgeschmelzten Gletschers die so genannten Zastler Eislöcher, große Steinblöcke. Unter den Blöcken sammelt sich auch im Sommer schwerere kalte Luft, und aufgrund der abgekühlten, verdunsteten Luft kann sich lange Zeit Eis bilden. Bei den Einheimischen werden sie deshalb auch natürliche Kühlschränke genannt.

 

Fotografieren an Bachläufen.

Für Landschaftsfotos an Wasserfällen und Bachläufen nutze ich meist zwei Dinge: Einen Polfilter und eine kurze Langzeitbelichtung. Der Polfilter lässt sich vorne auf das Objektiv schrauben und durch ein zweites Gewinde drehen. Das ist wichtig, da er Spiegelungen aus den Bildern herausnimmt. Man richtet seine Kamera so aus, wie man den Bildausschnitt haben möchte. Dann dreht man den Polfilter in eine Richtung – irgendwann werden die Farben plötzlich kräftiger und intensiver Das fällt oftmals schneller auf als die Entspiegelung und ist der zweite wesentliche Effekt des Filters.


Steine und Blätter werden nämlich auch mit entspiegelt, wodurch deren Farben sehr viel kräftiger zur Geltung kommen. Achtung: Wenn man die Kamera vom Hochformat ins Querformat – oder auch anders herum – kippt, dann muss man den Polfilter auch wieder neu ausrichten, sprich drehen. Ansonsten bleibt die Entspiegelung gleich. Mit ein bisschen Probieren kann man durch den Filter schnell tolle Effekte kreieren.

 

Das zweite Element dieser Bilder: Langzeitbelichtungen. Die sind natürlich abhängig davon, wie schnell sich etwas bewegt. Wie zum Beispiel hier der Bach. In der Regel ist aber als Basiswert eine halbe Sekunde eine gute Zeit, um Wasser in diesen speziellen Zustand zu versetzen, bei dem man eine Langzeitbelichtung schon erkennt, das Wasser aber auch noch Konturen und Spritzen besitzt. Wie in diesen Bildern zu sehen: Die Fließbewegung des Wassers ist klar erkennbar, aber auch noch die unterschiedlichen Strukturen und die Kraft des flüssigen Elements. Aber auch längere Belichtungen sehen bei Wasserfällen und Bachläufen gut aus - denn das ist wie immer Geschmackssache! Länger heißt in diesem Fall: Länger als eine Sekunde. Ich würde als Faustregel eine Belichtungszeit zwischen einer und fünf Sekunden wählen. Je nach Fließgeschwindigkeit kann das Wasser auch hier noch Struktur haben, auffällig ist aber in jedem Fall, dass die Langzeitbelichtung dafür sorgt, dass das Wasser deutlich nebliger und milchiger wirkt als wenn es kürzer belichtet worden wäre.

Kommentare: 0

Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!