Startrails.

© Niklas Batsch
© Niklas Batsch

Neues Jahr, neues Glück?
In meinem ersten Blogbeitrag 2018 möchte ich nicht nur auf ein für mich neues fotografisches Thema eingehen, sondern auch ein wenig die Art der Artikel hier umkrempeln. Keine Angst, es kommen weiterhin viele Bilder und Geschichten zu den Orten und Reisen. Allerdings möchte ich den Slogan "Ein Bild und (s)eine Geschichte" ein wenig wörtlicher nehmen. Ich möchte euch erzählen, wie es zu diesem Foto hier kommt, was dafür getan werden muss und worauf es ankommt. Ich möchte euch damit also ein bisschen mitnehmen zur Entstehung und auch Nachbearbeitung meiner Fotos.

 

2018 ist einiges Cooles geplant - zum Beispiel steht demnächst Berchtesgaden an. Und, wenn alles klappt, noch eine extrem spannende Tour gegen Ende des Jahres, zu der ich allerdings noch nichts verraten darf oder kann ;-). Und auch das wirkliche Ende des Jahres wird noch einmal ein Highlight für mich...
...gestartet hat das Jahr aber mit dem Vorsatz, mehr Nachtaufnahmen, Sternenaufnahmen, Milchstraßen- und Astrofotografie zu betreiben. Immerhin gehört das ja auch irgendwie zur Landschaftsfotografie dazu - zumindest für mich. Außerdem ist es eine neue Herausforderung und das kann bekanntlich ja nie schaden.

Deshalb habe ich mich vor ein paar Tagen rausgesetzt, in den Schwarzwald, mit der Absicht und Idee sogenannte Startrails zu fotografieren. Das sind Fotos, auf denen die Sterne am Nachthimmel lange Spuren über das Bild ziehen. Durch die Erdrotation sieht es dann so aus, also würden sich die Sterne bewegen. Da die Erde sich jedoch sehr langsam dreht, dauert es, bis man diese Bewegung auch so richtig im Bild sieht. Bei einer Langzeitbelichtung von 30 Sekunden oder einer Minute hat man meistens schon erste, etwas längere Striche, wie du im Foto rechts sehen kannst.
Damit sich dann wirklich große Startrails auf dem Foto befinden, hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du belichtest lange, also wirklich lange: Um die 2 bis 3 Stunden kann das schon dauern. Das Problem: Das Bild wird sehr schnell sehr hell und je nach Kamera auch stark verrauscht.

f/3.9, 30sec., ISO 500
f/3.9, 30sec., ISO 500

Deshalb bevorzuge ich die zweite Variante: Du machst ein ganz normal belichtetes Bild wie das rechts. Weil dort jedoch die Erdrotation - also die "Sternenbewegung" - noch nicht zu sehen ist, wie du sie haben möchtest, brauchst du von diesem Bild noch jede Menge weiterer. Bei dem finalen Foto oben waren das 150 Fotos. Du aktivierst also deinen Fernauslöser und den Serienbildmodus und lässt die Kamera knipsen und knipsen und knipsen...

 

Das ist dann auch erst einmal alles draußen. Denn dann kommt die Arbeit am PC. Dort benutze ich die beiden Programme Lightroom und StarStax. Sicherlich funktioniert das auch mit Photoshop, aber ich habe eben meinen eigenen Weg gefunden, mit dem ich gut klar komme ;-)

Was musst du also noch machen, um ein Startrails-Foto zu bekommen?

 

1. Alle geschossenen RAW-Dateien in Lightroom importieren.
2. Dort ein Foto auswählen und eine erste, kleine Bearbeitung (Weißabgleich, Kontrast, Belichtungskorrektur, Dynamik, Luminanz) vornehmen, so, dass dir das Foto grundsätzlich erst einmal gefällt.
3. Diese Einstellungen kopieren und auf alle anderen Bilder anwenden.
4. Alle Bilder als JPG exportieren.

5. Diese Bilder anschließend sichten und diejenigen Fotos aussortieren, die sich durch Verwacklungen, zu krasse Flugzeugspuren, etc. nicht decken werden: Denn nachher werden alle Fotos zusammengerechnet werden. Ich benutze dazu StarStax (mehr dazu gleich). Beachte: Alle Bilder werden miteinander verrechnet - dabei gleicht sich das Bildrauschen höherer ISO aus (denn das Rauschen ist auf jedem Bild unterschiedlich. Die verrauschten, winzigen Pixel werden nicht auf allen Bildern an der gleichen Stelle sein. Das ist wie damals bei Mathe: Minus und Plus gleicht sich aus.), allerdings werden auffällige Flugzeugspuren o.Ä. im Bild zu sehen sein.
6. Alle anderen Bilder via dem kostenlosen Programm StarStax verrechnen lassen (www.starstax.net). Nutze dazu die Funktion "Lücken füllen" und den Kometenmodus. Beachte: StarStax ist Freeware, die ich benutze. Auch hier wird es sicherlich einige andere Programme geben!

7. In StarStax selbst gibt es verschieden Optimierungswerkzeuge. Dazu gibt es jedoch ausführliche Erklärungen im Programm selbst.

Hier ist die Lichtspur zu auffällig.Sie wird auch nachher sichtbar sein. Daher wird dieses Bild direkt aussortiert. Wenn Spuren jedoch passen, können sie bewusst eingesetzt werden: So führen zwei Spuren im finalen Foto in den Mittelpunkt der Startrails.
Hier ist die Lichtspur zu auffällig.Sie wird auch nachher sichtbar sein. Daher wird dieses Bild direkt aussortiert. Wenn Spuren jedoch passen, können sie bewusst eingesetzt werden: So führen zwei Spuren im finalen Foto in den Mittelpunkt der Startrails.

8. Das zusammengestackte Foto wird wieder in Lightroom importiert. Dort findet der Bildbearbeitungsfeinschliff und somit Optimierung zum fertigen Bild statt.

 

     So entsteht das Foto der Startrails. Einzelne Fotos werden mit StarStax zusammengeführt.

 

Das ist eigentlich schon alles. Am Ende entsteht ein Bild mit viel Bewegung. Am besten suchst du dir einen spannenden Vordergrund, eine Landschaft oder eine Silhouette, von der sich der Himmel abhebt.
Ein letzter Tipp: Wenn du den Polarstern am Himmel findest und deine Kamera zu ihm ausrichtest, werden sich die Sterne kreisförmig um ihn drehen. Das ist aber kein Muss. Auch in anderen Himmelsrichtungen sehen Startrails gut aus und faszinieren!

 

Nicht zum Polarstern ausgerichtet und trotzdem spannende Spuren.
Nicht zum Polarstern ausgerichtet und trotzdem spannende Spuren.

 

Das steckt also hinter dem Startrails-Foto. Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, was ihr von solchen Aufnahmen haltet, es selbst schon einmal versucht habt und generell an solchen kleinen Tutorials interessiert seid! :-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Vini (Montag, 19 Februar 2018 19:59)

    Hallo Niklas,
    Sehr gut erklärt Beitrag, muss ich auch probieren!
    Deine Foto ist super geworden, bin gespannt was noch kommt...
    Besten Grüße
    Vincent

  • #2

    Kaja (Montag, 26 Februar 2018 01:25)

    Heey, woow, ist das toll geworden! O.o Im Ernst: Das Titelbild ist schon jetzt eines meiner Top 10 Lieblingsfotos von dir. :) Und das neue Konzept (also die Erklärung der Bildentstehung) finde ich auch super. Ich hätte nämlich tatsächlich gedacht, dass du einfach mehrere Stunden lang belichtet hast.
    Mach weiter so, ich freu mich schon auf die nächsten Fotos und ihre (Entstehungs-)Geschichten. :)

Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!