So fotografierst du die Milchstraße.

Was lange währt... Seit meinen Fotografie-Anfängen wollte ich schon immer mal ein gutes Milchstraßenbild schießen. Wobei "gut" natürlich sehr individuell zu definieren ist. Mein Anspruch war, die Milchstraße klar zu erkennen, so wenig Rauschen wie möglich im Bild zu haben und das ganze auch noch an einem fotogenen Spot. Ich nehme dich mit auf den Weg zu meinem finalen Milkyway-Foto!

 

Technik ist nicht alles - aber wichtig!

Alles begann mit meiner guten alten Lumix G3. Irgendwann vor ein paar Jahren (vermutlich so gegen 2016) stand ich zu Hause auf dem Balkon und rief begeistert: "Das da oben, dieser helle Streifen am Himmel, das muss doch die Milchstraße sein!" Und Tatsache: Da habe ich doch wirklich von der Stadt aus dieses helle Sternenband mit bloßem Auge sehen können. Damals hatte ich noch keine Ahnung, wie ich die Milchstraße einfangen kann und dementsprechend miserabel sahen die Bilder am nächsten Tag auch aus.

Ein paar Jahre später habe ich dann versucht, das Himmelsspektakel vom Garten aus mit der G81, ebenfalls einer MFT-Kamera, einzufangen. Ich hatte die Milchstraße zwar auf dem Foto, mit ISO3200 aber auch ziemlich heftiges Grisseln im Bild. Und schnell habe ich gemerkt: Ja, man kann auch nicht mit Vollformat die Milchstraße fotografieren - dementsprechend schlechter sind aber auch die Ergebnisse.

 

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist aber auch der Standort. Stadt-Nähe mit viel Lichtverschmutzung ist schlecht. Auch das habe ich gelernt. Schlussendlich folgte aber nach fünf Jahren der Umstieg von MFT auf Vollformat. Und vor wenigen Tagen habe ich mit meiner Sony A7III das erste Milchstraßenfoto geschossen, auf das ich wirklich stolz bin.

 

Ich möchte euch im Folgenden Tipps zur Planung, zum Fotografieren und zur Nachbearbeitung geben. Diese drei Schritte sind nämlich essenziell, um am Ende ein Foto des Sternenhimmels zu haben, mit dem man glücklich ist!

 

Phase 1: Vorbereitung und Planung.

Einfach losziehen und knipsen ist nicht! Zumindest bräuchtest du dabei ziemlich viel Glück. Damit du die Milchstraße überhaupt einfangen kannst, musst du zu bestimmten Zeiten draußen sein. Und mit draußen meine ich: freie Natur, möglichst hoch auf einem Berg und möglichst weit weg von Städten, um der Lichtverschmutzung vorzubeugen (das ist übrigens der gelb-orange Schimmer über dem Horizont auf den Bildern!).

 

Die Milchstraße siehst du in unseren Breiten vor allem zwischen März und September. Es gibt jedoch auch eine Wintermilchstraße, dort sieht man das galaktische Zentrum jedoch nicht.

 

Ein wesentlicher Faktor ist zudem der Mond. Die beste Phase ist sicherlich Neumond, dann ist es nämlich wirklich dunkel am Nachthimmel. Aber auch bei Halb- oder Viertelmond kann man die Milchstraße fotografieren - am besten, wenn der Mond untergeht. (Oder wenn dicke Wolken sich genau vor dem Mond befinden, die Milchstraße aber kurze Zeit frei zu sehen ist ;-)).

 

Mit Apps wie PhotoPills kann man das ziemlich genau planen. Entscheidend ist ja schließlich auch, in welchem Zeitraum in der Nacht die Milchstarße zu sehen ist. Im Frühjahr ist das eher zwischen 01.00 und 03.00 Uhr der Fall, im (Spät-)Sommer eher zwischen 04.00 und 05.00 Uhr.

 

Phase 2: Fotografieren.

Wenn du den perfekten Termin mit perfektem Wetter ausgemacht hast, geht's raus zum Fotografieren. Sei rechtzeitig da, baue entspannt auf und bereite dich vor. Es hilft beispielsweise, die Bildschirmhelligkeit an der Kamera zu dimmen, um die Bilder vor Ort besser beurteilen zu können.

 

Die Einstellungen: Manueller Modus, manueller Fokus. Wenn möglich auf ein fernes, erleuchtetes Objekt oder einen hellen Stern fokussieren. Der ISO liegt normalerweise zwischen 3200 und 6400. Je später in der Nacht (bspw. wenn das galaktische Zentrum zw. 01.00 und 03.00 Uhr zu sehen ist, ist es gegen 02.00 Uhr sichtbarer als gegen 01.00 Uhr), desto stärker scheinen die Sterne. Die Blende öffnest du so weit wie möglich - in der Regel auf F2.8, wenn sogar F1.8 oder F1.4 möglich ist, ist es noch besser.

 

Beachte bei der Verschlusszeit die 500er- bzw. 300er-Regel, damit die Sterne keine Striche werden, sondern Punkte bleiben:

  • Vollformat: 500 geteilt durch Brennweite in mm
  • APSC: 500 geteilt durch (Brennweite in mm multipliziert mit 1,5)
  • Vollformat: 300 geteilt durch Brennweite in mm
  • APSC: 300 geteilt durch (Brennweite in mm multipliziert mit 1,5)

Im Normalfall bewegt man sich bei der Verschlusszeit immer um die 15 Sekunden.

 

Phase 3: Nachbearbeitung.

Ich bin kein Fan davon, viel nachzubearbeiten. Bei er Milchstraße lohnt es sich aber, ein bisschen das Bild in Lightroom zu pimpen. Bearbeite das Bild zunächst klassisch wie immer, bevor du dich der Milchstraße widmest. Es gibt unzählige Möglichkeiten, diese nachzubearbeiten. Ich habe eine Methode gefunden, die schnell und effizient ist: Ziehe einen Verlaufsfilter vom unteren Rand der Milchstraße nach unten. In diesem Verlaufsfilter regelst du die Belichtung, den Kontrast und die Klarheit etwas nach oben, um die Milchstraße hervorzuheben. Einen zweiten Verlaufsfilter ziehst du schließlich  am oberen Rand der Milchstraße und regelst eben jene Einstellungen wieder ein wenig nach unten, um den Himmel außerhalb des Bereichs der Milchstraße abzudunkeln. Schon sticht das helle Himmelsband aus dem Sternenhimmel hervor!

 

Verbessern kannst du deine Bilder noch in Photoshop oder durch Stacking. Ich mag's einfach und möchte nicht Stunden in Nachbearbeitung stecken. Mit dieser Methode bin ich bislang sehr zufrieden.

 

Das finale Bild: Die Milchstraße mit Saturn und Jupiter über den Wetterbuchen auf dem Schauinsland.
Das finale Bild: Die Milchstraße mit Saturn und Jupiter über den Wetterbuchen auf dem Schauinsland.

 

Du siehst: Milchstraßen-Fotos sind kein Hexenwerk. Die passende Ausrüstung, die passende Vorbereitung und schon kannst du dein Bild vom Nachthimmel schießen! Ich wünsche dir viel Spaß dabei.

 

 

 

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!