Was kann Luminar 4?

Bereits letztes Jahr habe ich mir Luminar 2018 angeschaut und gestestet. Weil für mich bald ein Kamera- und Systemwechsel ansteht und ich voraussichtlich dann auch nicht mehr mit Lightroom 6 arbeiten kann/werde, kam das neue Luminar 4 wie gerufen für mich. Doch was hat sich zur letzten Version geändert? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Eine Analyse.

 

DIE Marketing-Strategie.

Zugegeben, dieses eine Feature hat mich dann letztendlich auch interessiert. Wer Skylum Software in letzter Zeit beobachtet hat, der wird es wissen: Der Sky Replacement Filter war die Marketing-Strategie schlechthin! Aus einem schlechten Bild noch was Tolles machen. Über solche Aussagen lässt sich bekanntlich streiten und auch ich bin ein Verfechter davon, das Bild so weit wie möglich bereits in der Kamera zu erstellen. Doch dass Luminar 4 eine angeblich so gute künstliche Intelligenz besitzt, jeden beliebigen Himmel auszutauschen - das wollte ich mir selbst mal genauer angucken! Und was soll ich sagen, natürlich hat auch so ein Filter seine Probleme und ist definitiv keine Ultimativ-Lösung, die jedes Bild perfektioniert.

 

Mitgeliefert bekommt man direkt ein paar Himmel, die man einsetzen und austauschen kann. Die sind wirklich teilweise ganz schick (vor allem die Milkyway-Varianten haben mir gefallen). Dass das nichts mehr mit Fotografie, sondern vielmehr mit Kunst und Composing zu tun hat, darüber müssen wir nicht sprechen. Das Ergebnis sind für mich keine Fotos mehr, sondern zusammengebastelte Composings, die auch ihre Berechtigung haben, allerdings nicht mein Geschmack sind und die ihr auch zukünftig eher nicht bei mir sehen werdet. Trotz allem: Spaß macht dieser Filter in Luminar 4! Teilweise - und da kommt es eben doch aufs Bild an - funktioniert er mal besser und mal schlechter. So könnt ihr oben in den Beispielen erkennen, dass der erste Versuch schön daneben ging, da das Programm seine Probleme mit der Sonne hatte und daher einfach einen grauen Fleck drübergelegt hat. Die Milkyways haben da besser funktioniert. Erstaunlich, wie gut die Software den Himmel vom Rest trennen kann!

 

Ein Composing mit Luminar 4. Echt beeindruckend, was die Software in dieser Hinsicht drauf hat!
Ein Composing mit Luminar 4. Echt beeindruckend, was die Software in dieser Hinsicht drauf hat!

Man kann also sagen: Der Filter hat seine Berechtigung, er macht gute Dienste, aber nicht bei jedem Bild. Wer Spaß an Composings hat, kann vorgegebene Himmel genauso wie eigene Himmel sehr einfach und sehr gut ersetzen. Ich bin beeindruckt, wie gut dieser Filter funktioniert, wenn das Foto entsprechend schon aus der Kamera gekommen ist. Wunder vollbringt er nicht, aber er kann Arbeiten in Photoshop und Co extrem vereinfachen.

 

Und sonst so?

Mittlerweile lassen sich in Luminar auch mehrere Bilder auf einen Schlag importieren. In Luminar 2018 musste man noch die Fotos einzeln importieren, das ist jetzt besser gelöst, auch die Bibliothek schaut gut aus. Je nachdem wieviele Bilder man importiert und wie groß die sind, dauert das aber eine Weile. Auch das ist natürlich PC-abhängig.

 

Die klassische Foto-Bearbeitung lässt sich eigentlich ähnlich wie in Luminar 2018 vornehmen. Das Programm ist ziemlich parallel zu Lightroom aufgebaut, ein Umstieg also einfach. Insgesamt finde ich Lightroom jedoch einfacher und logischer aufgebaut. Luminar baut an unterschiedlichen Stellen seine eigenen "Filter" und Besonderheiten ein, die das Layout ein wenig durcheinander bringen. Ich denke aber, dass man sich daran relativ schnell gewöhnt, wenn man oft mit Luminar 4 arbeitet. Extrem überrascht hat mich die Radierer-Funktion, die beispielweise Blenden- und Sensorflecke eliminiert - und das quasi perfekt mit nur einem Klick. Alle wesentlichen weiteren Funktionen aus Lightroom kann Luminar auch. Manchmal ein bisschen anders - aber auch das ist Sache von Eingewöhnung.

 

Was Luminar interessant macht, sind die Ebenen: So lassen sich beispielsweise Belichtungsreihen sehr einfach entwickeln: Bei schwierigen Lichtsituationen kann man eine Belichtung für den Vordergrund und eine für den Hintergrund schießen. Dann importiert man die Vordergrund-Belichtung und entwickelt die RAW-Daten wie immer. Jetzt kommt das Interessante: An dieser Stelle kann man eine neue Ebene öffnen - entweder eine neue Nachbearbeitungsebene oder eine neue Bildebene. Zu den Nachbearbeitungsebenen: Hier kann man dann nochmal einzelen Filter anweden ähnlich wie in Photoshop. So behält man die Kontrolle über die Filter, kann sie einzeln zurücksetzen oder ihre Deckkraft reduzieren. Fügt man allerdings eine neue Bildebene ein, so kann man aus seinen Dateien die Hintergrund-Belichtung für den Himmel auswählen. Diese wird nun auf das aktuell bearbeitete Bild gelegt. Mit einem Verlaufsfilter lässt sich dieses zweite Bild nun in das erste einmaskieren. Danach kann nochmal Finetuning betrieben werden und die beiden Ebenen aneinander angepasst werden. Also eine Art parallele Funktion zum Sky Replacement.

 

Die größte Schwäche von Luminar ist jedoch, dass das Programm - bei mir zumindest - regelmäßig abstürzt. Das kennt man normalerweise ja nur von Adobe, doch auch hier hängt sich die Software auf, wenn es mal zu viel für sie wird. Ich hoffe darauf, dass die Entwickler hier noch Updates bringen und das verbessern werden, denn das ist mega-nervig! Ebenso nervig ist es, dass die Bilder beim Import und Export eine Weile brauchen. Gerade beim exportieren, wenn man ein Foto nach seiner Bearbeitung ausspielen möchte, kann das schon mal eine gute halbe Minute dauern. Auch das muss verbessert werden!

 

Was kann Luminar 4? Ein Fazit.

Die zwei großen, interessanten Punkte bei Luminar sind zum einen der Sky Replacement Filter und die Arbeit mit Ebenen. Die Bildbearbeitung selbst ist sehr klassisch und für Lightroom-Nutzer kein großes Problem. Mittlerweile bietet Luminar wie Lightroom einen Katalog - sehr gut. Wie bereits in meinem letzten Fazit gilt auch hier: Skylum muss die Arbeitszeiten beschleunigen, beim Import/Export sowie beim Bearbeiten mit den einzelnen Reglern, denn auch hier ruckelt es immer ein bisschen.

Die Standard-Edition von Luminar 4 gibt es aktuell für knapp 90 Euro - Einmalkauf! Statt dem Adobe-Abomodell bekommt man Luminar für diesen Preis für immer, inklusive Updates und allen neuen Kamera-Profilen. Die momentanen Ruckler und Ladezeiten muss man dafür in Kauf nehmen, bekommt jedoch das "kleine Photoshop für Fotografen" inklusive. Außerdem gehe ich stark davon aus, dass eben diese Schwächen von den Entwickerln in den nächsten Wochen behoben werden.

 

 

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!