Lost Place Schwesternhotel.

Seit über einem Jahr habe ich keinen Lost PLace-Blogbeitrag mehr hier hochgeladen. Es wurde Zeit, das mal wieder zu ändern. Von Freiburg aus ging es also eine gute Stunde in den Schwarzwald. Das Ziel: ein verlassenes Hotel, das in der Urbex-Szene als "Schwesternhotel" bezeichnet wird. Wie es dazu kommt, lest ihr weiter unten im Artikel.

 

Das Hotel und die Gaststätte der zwei Schwestern.

Seit vielen Jahren steht das Gasthaus nun verlassen und leer - und das, obwohl es gar nicht mal so einsam im Wald liegt. Die Recherche hat ergeben, dass man über das verlassene Gebäude nicht viel weiß. Es wurde bis zur Aufgabe allerdings von zwei Schwestern geführt, weshalb es auch zu diesem Namen kam. Die eine Schwester verstarb jedoch schon 1997, die andere wenige Jahre später nur ein paar Meter vom Hotel im nächsten Ort entfernt. Betritt man heute noch das Haus, sieht es größtenteils eingerichtet aus, als würde der ein oder andere Gast erwartet werden. Doch beim genaueren Hinsehen kann man an allen Ecken den Verfall erleben. Und wer ganz genau durch die Bilder klickt, wird sogar die Schwestern sehen...

 

Mehr weiß man jedoch nicht über die Geschichte des Gasthauses. Weder lassen sich Informationen zu den Zeiten finden, als das Hotel noch betrieben wurde, noch findet man bestätigte Informationen dazu, warum das Haus geschlossen bzw. aufgegeben wurde. Für uns Lost Place-Fotografen natürlich umso besser. Das Gasthaus ist insgesamt nämlich noch ziemlich gut in Schuss!

 

Lost Place-Fotografie.

Wichtig vorab zu sagen ist, dass Lost Place-Fotografie zunächst einmal Hausfriedensbruch ist und eine Anzeige hageln kann, wenn man erwischt wird. Deshalb soll dieser Blogbeitrag keinesfalls zur Lost Place-Fotografie anstiften. Jeder muss dabei selbst wissen, was er tut und dafür die Verantwortung tragen. Ebenfalls muss aber erwähnt werden, dass Hausfriedensbruch ein Anzeigendelikt ist, der von dem/der Besitzer/in gemeldet werden muss - und das passiert in der Regel nie, da die Objekte wirklich komplett verlassen sind, wenn sich kein Verwalter findet. Das bedeutet wiederum, dass man vorher gut dazu recherchieren sollte!

 

Ein paar Tipps zum Fotografieren in verlassenen Gebäuden: Der Urbex-Kodex besagt, dass man einen offenen Zugang zum Gebäude finden muss. Scheiben einschlagen, Türen eintreten, etc. sollte nie getan werden, um einen Lost Place zu erkunden. Ist das Haus verriegelt, gibt es nun einmal keine Bilder. Eine der goldenen Regeln in dieser Fotografie schreibt vor: Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints. Nichts zerstören, nichts mitnehmen. Einfach Bilder schießen - so sollte man sich in einem Lost Place verhalten. Ebenfalls ist es sinnvoll, sich dort mindestens zu zweit aufzuhalten, da man nicht weiß, was in derartigen verlassenen Orten passieren kann. Wichtig ist es auch, eine dritte Person zu Hause einzuweihen und mit ihr Kontakt zu halten, bzw. "Melde-Termine" auszumachen (bspw.: Ich rufe dich um xx Uhr an, dann bin ich wieder draußen!). Es kann schließlich immer sein, dass der Boden morsch ist, dass etwas zusammenstürzt oder dass man eben doch nicht allein an einem solchen Ort ist.

 

Aus fotografischer Sicht sollte man bei Lost Places meiner Meinung nach auf jeden Fall ein Weitwinkel-Objektiv dabei haben, um ganze Räume oder Szenerien abbilden zu können. Das Objektiv muss nicht unbedingt lichtstark sein, da ein Stativ meistens eh Pflicht ist. Bei diesen Bildern im Blogbeitrag musste ich zwischen 10 und 30 Sekunden belichten, einfach weil es so dunkel in den Gebäuden ist. Manchmal ist es auch hilfreich, mehrere Belichtungen zu schießen und dabei bewusst über- oder unterzubelichten - gerade bei Fensterlicht.

Bei weitwinkligen Aufnahmen lässt sich auch schön mit der Perspektive spielen. Flache, leicht aufgerichtete Blickwinkel lassen dabei Objekte sehr groß erscheinen. Top-Down-Shots ermöglichen Übersichten wogegen Fotos aus Froschperspektive meistens die größe des Raums verdeutlichen. Stürzende Linien sollten beachtet werden und entweder vermieden oder bewusst gesetzt werden.

Auch ein Zoomobjektiv wie etwa ein 24-70mm oder Ähnliches ist praktisch, um Details einzufangen. Immer dabei habe ich auch eine Taschenlampe, die schadet nämlich nie und ist meistens bei jedem Lost Place irgendwann einmal im Einsatz.

 

Fotografieren im Schwesternhotel.

Im Schwesternhotel findet man noch einige Zimmer, die gut eingerichtet sind, aber dennoch Stück für Stück verfallen. Sei es kaputte Tapete an den Wänden, bröckelnde Mauern oder Schimmel an den Decken. Teilweise sind diese auch schon durchgebrochen, sodass man sich - vor allem in den oberen Stockwerken - vorsichtig bewegen sollte. Im Erdgeschoss findet man den Eingangs- und Essbereich, der einige schöne Motive bietet, auch die Küche ist ein echter Hingucker - zumindest für uns Lost Place-Fotografen. Auf den oberen beiden Stockwerke liegen dann die Gästezimmer, die mehr oder weniger attraktiv sind. Auch hier gibt es ein paar schöne Motive, immer wieder auch relativ langweilige Zimmer. Da kann man sehr gut auswählen und "bewusst" fotografieren.

 

Es folgt schließlich das Dachgeschoss, bei dem man wirklich auf jeden Schritt achten sollte, da der Boden arg gewellt und nass ist. Hier kommt auch immer wieder die Decke runter bzw. ist schon durchgebrochen. Mit dem "Fremdenzimmer" liegt hier aber auch eines der schönsten Motive. Allerdings: An erster Stelle gilt, auf sich aufzupassen. Bei meinem Besuch war es noch kein Problem, dorthin zu kommen, wie das aber einige Wochen, Monate oder Jahrte später aussieht, muss jeder für sich individuell entscheiden. Eine schmale Treppe führt auf den Speicher. Von diesem Besuch würde ich aber definitiv abraten, da dort wenig Spannendes zu finden und ein Bruch durch den morschen Boden nicht unwahrscheinlich ist.

 

Fazit: Ein altes Schwarzwald-Hotel.

Für Lost Place-Fans lohnt sich der Besuch im Schwesternhotel. Auch Fotografen dieses Genres werden auf ihre Kosten kommen. Das Gebäude ist relativ klein und nicht jeder Raum fotogen. Dennoch geht man mit einigen schönen Bildern nach Hause. Auch für mich war dieser Ausflug nach langer LP-Abstinenz wieder spannend. Es hat zwar ein bisschen gedauert, bis ich die richtigen Perspektiven gefunden habe, im Endeffekt bin ich mit den Bildern jedoch ziemlich zufrieden.

Die Recherche zum Gasthaus ist auch machbar, genauso wie die Lokalisierung. Wer den Besuch noch mit Landschaftsfotografie verbinden will, findet in der näheren Umgebung sogar noch einen schönen Wasserfall.

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!