Lost Place: Der vergessene Bunker.

Im Zuge meiner Fototour in den Pfälzerwald bin ich durch Recherche auf den verlassenen Bunker in Kindsbach, in der Nähe von Kaiserslautern, gestoßen. Das riesige unterirdische Gebäude kann offiziell und legal besucht und fotografiert werden. Es gibt jedoch einen Haken: absolute Finsternis. In diesem Blogbeitrag nehme ich dich mit in einen Lost Place der besonderen Art.

 

Im Jahr 1937 wurde die Bunkeranlage für die Deutsche Wehrmacht gebaut. Zunächst diente die Anlage als Lager für Flugabwehrmunition. Der östliche Teil der Stollen war in den letzten Kriegsjahren Luftschutzbunker für die Bevölkerung. Nach Ende des Kriegs wurde die Anlage von französischen Truppen besetzt. 1951 erfolgte der Ausbau der nahegelegenen Air Base Ramstein durch die Amerikaner. Sie übernahmen auch die Bunkeranlage, renovierten diese und erweiterten den westlichen Bereich. 1954 schließlich folgte eine Übernahme durch die US Air Force: Der Bunker diente nun als Überwachungs- und Steuerzentrale - unter anderem für die Air Base Ramstein. Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre wurde der Bunker als wichtige NATO-Luftverteidigungsanlage mit mehr als 200 Personen betrieben. In den 80er Jahren folgte eine Auslagerung vieler Aufgabenbereiche nach Ruppertsweiler, bis schließlich nur noch eine wenige Menschen die Anlage betrieben. Zum Ende des Kalten Krieges hin kündigte man den Erbpachtvertrag.

 

Der NATO-Bunker ist heute verschlossen und in Privatbesitz. Den Verwalter kann man aber einfach kontaktieren: Er bietet regelmäßig Führungen durch die Anlage, eigenverantwortliche Foto-Touren sind ebenfalls möglich. Den Kontakt findet man auf der Seite des Touristik-Zentrums Pfälzerwald.

Mietet man den Bunker für einen halben Tag zum Fotografieren (50€) hat das jedoch einen kleinen, aber wichtigen Haken: Vor Ort gibt es kein Licht, weshalb man selbst mit Stirnlampen oder Taschenlampen ausgestattet sein sollte. Außerdem empfehle ich, kleinere Lichter dabeizuhaben, die man bestenfalls auch noch dimmen kann. So lassen sich die Gänge und Räume zum Fotografieren ausleuchten, sodass man spannende Licht- und Schattenspiele erzeugen kann. Lichter in den Räumen sind aber auch wichtig, damit man nicht "gefühlt" unendlich lange belichten muss. Meine Fotos sind in der Regel zwischen 15 bis 30 Sekunden belichtet worden bei verschiedenen Blendenstufen und einem ISO-Wert bis 1000. 

 

Der Bunker ist aufgeteilt in drei lange Flure, von denen rechts und links Räume und weitere Gänge abgehen. Viele der Zimmer sind heute leer, dennoch gibt es die ein oder anderen Highlights. Teilweise ist die Anlage dreistöckig, weshalb man sich zu Beginn gut orientieren sollte. 

Aus fotografischer Sicht sollte man auf jeden Fall ein Weitwinkel-Objektiv dabeihaben, um die einzelnen Räume in Gänze ablichten zu können. Besonders fotogen sind die Technik-Räume, ein Aufenthaltszimmer, die unendlichen Gänge, die Schleuse sowie die Schaltzentrale. Läuft man mit offenen Augen durch den NATO-Bunker findet man aber an allen Ecken interessante Motive. Vor Ort sollte man zwischen zwei und drei Stunden einplanen, man kann sich aber auch durchaus länger Zeit lassen und noch mehr fotografieren (bspw. kleinere Details mit längeren Brennweiten).

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!