Landschaftsfotografie mit Tele.

Wer mich und meine Bilder nun schon länger verfolgt, der wird wissen, dass fast 90 Prozent der Fotos Weitwinkel-Aufnahmen sind. Das liegt ganz einfach daran, dass ich die Landschaft in ihrer Gänze abbilden möchte. Doch man liest immer wieder, dass so gut wie jeder Landschaftsfotograf ein Tele-Objektiv dabei hat. Das habe ich auch (und mittlerweile auch ein neues) - jetzt nutze ich es auch deutlich mehr als früher. Warum und wie, das liest du in diesem Blogbeitrag.

 

Landschaftsfotografie mit Tele kann wirklich spannend sein und das habe ich für mich vor ein paar Wochen entdeckt. Davor war ich fast nur mit Weitwinkel unterwegs. Aber so ein Tele hat viele Vorteile und interessante Eigenschaften:

 

  • Reduzierung auf das Wesentliche
  • Staffelung
  • Arbeiten mit neuen Vordergründen
  • andere Bildwirkung

 

1/640 Sek., f/2.2, ISO 200, 56 mm auf MFT.
1/640 Sek., f/2.2, ISO 200, 56 mm auf MFT.
1/6 Sek., f/8, ISO 200, 9 mm auf MFT.
1/6 Sek., f/8, ISO 200, 9 mm auf MFT.

 

Reduzierung auf das Wesentliche. Hier einmal zwei Beispiele. Das Motiv auf beiden Bildern ist das gleiche. Es zeigt das Nebelmeer im Tal, vom Berg aus gesehen. Ganz entscheidend ist aber: Der Bildausschnitt ist ein ganz anderer.

Im ersten Bild wurde mit einem Tele gearbeitet, also einer längeren Brennweite (in diesem Fall 112mm auf Vollformat/56mm MFT). Das zweite Bild ist eine Weitwinkel-Aufnahme. Relativ simpel erkennt man im ersten Bild das Nebelmeer viel besser und intensiver. Das zweite Bild würde wohl eher den Titel "Fernsicht mit Nebel" tragen, wohingegen das erste Bild dem Titel "Nebelmeer" deutlich gerechter würde.

Es wird also auf einen relativen Ausschnitt reduziert.

 

Die verschiedenen Bergketten sorgen für eine Staffelung im Bild.
Die verschiedenen Bergketten sorgen für eine Staffelung im Bild.

Staffelung. Dadurch, dass auf wesentliche Bildelemente reduziert wird, kommen diese auch viel besser zur Geltung. Das Tele hat allerdings noch einen weiteren spannenden Effekt, den ich als Staffelung bezeichnen würde.

 

Spannend wird es vor allem dann, wenn man Berge oder Hügel in sein Bild mit einbauen kann. Denn die unterschiedlichen Höhen und Formen der Berge werden dann auf eine Linie hintereinander abgebildet. Es entsteht also eine Staffelung verschiedener Vorder-, Mittel- und Hintergründe.

 

Das kommt ziemlich gut im Hochformat heraus, gerade weil man dort noch mit einem kleinen Trick arbeiten kann, dazu aber im nächsten Abschnitt mehr.

 

Ein weiterer Bonus-Tipp an dieser Stelle: Beim Tele lohnt es sich (wenn man nicht gerade auch dafür einen Verlaufsfilter hat oder ein Stativ und Belichtungsreihen nutzen kann) lieber ein wenig früher Bilder zu machen, also beim Sonnenuntergang bevor die Sonne weg ist: Denn dann leuchtet das letzte Licht die verschiedenen Hügelketten noch schön an und es entsteht ein goldener Glanz. Außerdem saufen die Tiefen dann nicht so sehr ab und lassen sich in der Nachbearbeitung noch retten.

 

"Vordergrund macht Bild gesund."
"Vordergrund macht Bild gesund."

Arbeiten mit neuen Vordergründen. Im Weitwinkel-Bereich versucht man ja, eine möglichst durchgehende Schärfe zu erhalten. Also einen Stein, Blätter oder eine Wurzel so in den Vordergrund zu legen, dass der Blick vom Betrachter von diesem Punkt ins Bild hineingezogen wird. Im Tele-Bereich arbeite ich dagegen anders.

 

Auch dort ist ein Vordergrund notwendig, damit das Bild nicht so flach und eindimensional aussieht. Allerdings ist er dort nicht scharf (was auch fast nicht möglich wäre, außer man arbeitet auch hier wieder mit mehreren Bildern, die man ih Photoshop übereinander legt). Viel spannender sieht im Tele-Bereich aber ein unscharfer Vordergrund aus, der nicht aus einem einzelnen Punkt, sondern einer kleinen Fläche besteht.

 

Das geht wieder besonders gut im Hochformat - bei allen Hochformat-Bildern bisher auf dieser Seite konntest du das schon beobachten. Durch den unscharfen Vordergrund entsteht eine besondere Tiefe, man wird als Betrachter wieder richtig in das Bild hereingezogen, da der Blick über den Vordergrund schnell in den Mittelgrund (hier bei diesem Beispiel zu den Hügeln) und anschließend zum Hintergrund (dem Nebelmeer) gleitet.

 

Es entsteht also auch eine saubere Komposition ohne viel Brimborium.

 

Andere Bildwirkung. Schlussendlich kann man es in diesen beiden Worten auf den Punk bringen. Fotos, die mit Tele-Objektiven geschossen wurden, haben einfach eine andere Bildwirkung. Ich würde sie als "simpler", "klarer" und "einfacher" bezeichnen - was aber nicht gleichzusetzen ist mit "schlechter".  Arbeitet man mit spannenden Verläufen und Staffelungen, entstehen faszinierende Bildeindrücke.

 

Mit dem Teleobjektiv lässt sich aber auch eine minimalistische Bildwirkung erschaffen.
Mit dem Teleobjektiv lässt sich aber auch eine minimalistische Bildwirkung erschaffen.
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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!