Bildkomposition und führende Linien.

(c) Niklas Batsch
(c) Niklas Batsch

Bildkomposition und führende Linien. Heute möchte ich euch ein wenig Einblick geben, wie ich meine Fotos mache bzw. worauf ich dabei achte - ganz unabhängig von Blende, Belichtungszeit, Brennweite oder ISO. Ich zeige ein paar Tipps und Tricks, die man vielleicht auch schon kennt, aber gar nicht so starr anwenden muss, wie die Regeln immer besagen ;-)

Der Horizont liegt genau auf einem Drittel des Stonhenge-Bilds. Dabei hilft das Gitterraster bereits in der Kamera. Dort kann man es im Menü einblenden. Ich nutze es bei fast allen meinen Bildern. Ob der Horizont dann exakt auf der oberen oder unteren Linie liegt, ist uninteressant. Es entsteht durch die Drittel-Regel jedoch ein dynamischer Bildaufbau. Ein mittiger Horizont wäre hier langweilig. Dass dem Himmel hier zwei Drittel Raum gegeben wird, liegt an dem Wolkenspiel - außerdem: zwei Drittel Rasen wäre hier auch langweilig.


Am Gurnards Head in Cornwall blühen überall diese kleinen Büschel von Blumen. Hier macht es Sinn, bei einem Hochlantbild diese Blumen in das untere Bilddrittel an einen Rand bzw. an einen Kreuzungspunkt des Gitternetzes zu setzen. Von diesem Kreuzungspunkt fällt mittels der Zwei-Drittel-Regel und dem Goldenen Schnitt der Blick in die Ferne - auf der oberen Gitternetz-Linie liegt der Horizont. Es entsteht ein stimmungsvolles und sehr einfach aufgebautes Foto ohne komplizierte Blickführungen.

Auch bei diesem Feldsee-Bild liegt der Horizont auf dem oberen Drittel - der Himmel ist unspektakulär, die Landschaft interessanter. Hier spiele ich mit den Kreuzungspunkten. Unten links liegt der See, ungefähr mittig der Raimartihof und weiter rechts oben noch einmal eine markante grüne Fläche. Der Blick fällt zunächst auf den See, der farblich aus dem Bild heraussticht und wird danach über auffällige Punkte nach rechts oben geführt.

Etwas aufwendiger ist dieses Bild an Porth Nanven in Cornwall entstanden. Auffällig ist die Sonne rechts oben sowie der Stein links oben. Geschickterweise liegen sie auf einer Höhe und bilden mit dem glatten Meer einen Horizont auf der oberen Gitternetzlinie. Der Blick wird jedoch bereits von unten gelenkt. Jeweils von rechts und links unten führt eine Linie mittels der abgeschliffenen Steine zum gegenüberliegenden, höheren Punkt.

Ähnlich ist auch das Bild aus dem Dreisamtal aufgebaut. Allerdings werden die Linien nicht gekreuzt, sondern führen von den unteren Ecken auf den Mittelpunkt zu. Das Foto ist mittels den Sonnenstrahlen sehr symmetrisch aufgebaut mit der Sonne als Mittelpunkt auf der oberen Gitternetzlinie. Auch hier greift wieder die Zwei-Drittel-Regel.

Das Foto von den Zweribachfällen arbeitet mit dem Stein unten rechts auf dem Kreuzungspunkt zweier Gitternetzlinien. Von dort führt der Blick zum Wasserfall und den Abhang hinauf zum Ursprung des Wasserfalls.

Nach dieser Betrachtung führt der quer liegende Baumstamm den Blick nach links - zu den Stufen, an denen die Eiszapfen herunterhängen.

 

 

Zum Schluss noch eine aufwendigere und nicht auf den ersten Blick zu erkennenden Kompositionsart: Die "Spiegelung" zweier Führungslinien. Ins Auge fallen zum einen die Brücke und zum anderen der kleine Wasserfall, der wiederum auf einem Kreuzungspunkt liegt. Die Brücke führt als Linie von links oben nach rechts ins Bild hinein. Von dort wandert der Blick zum Wasserfall. Von dort aus führt er zurück nach links unten. Es entsteht quasi eine Spiegelung der oberen Führungslinie am mittigen "Horizont".


Was ich hier zeigen wollte: Mit Formen, Linien und Punkten kann bewusst gespielt werden. Ein bewusster Bildaufbau führt zu klarer Bilsprache.
Typische Regeln wie die Zwei-Drittel-Regel, der Goldene Schnitt oder der Merkspruch "Vordergrund macht Bild gesund" sind einfachste Mittel, um ein Foto schön zu ordnen. Dazu kann mit Kruezungspunkten gearbeitet und Elemente der Natur bewusst an einen Platz auf das Bild gesetzt werden.

 

Außerdem gilt wie bei jeden Regeln: Sie dürfen gebrochen werden! Der Horizont darf auch mal mittig sein, die Kreuzungspunkte müssen nicht exakt auf den wirklichen Punkten des Gitternetzes sein. Wenn man die Regeln kennt, darf man sie auch bewusst zur eigenen Komposition anpassen! ;-)

 

Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, wie ihr eure Fotos komponiert! :-)

 

 

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!