Hunters Hotel.

(c) Niklas Batsch
(c) Niklas Batsch

Reizüberflutung. Irgendwie.

Das war das erste, was mir eingefallen ist, als ich den Jagdsaal - so bezeichne ich einfach mal das Zimmer, das mein Titelbild ziert - betreten habe. Lost? Lost Place? Kann eigentlich doch gar nicht sein. Normalerweise schreibe ich hier immer, dass ich mir als Fotograf gut vorstellen kann, wie prachtvoll einst derartige Räume gewesen sein müssen. Nun ja, dieses Mal war es für mich auch etwas besonderes: Denn das, was ich hier im tiefsten Herzen des Schwarzwalds erblicken durfte, war nicht prachtvoll - es ist es immer noch.

Und alleine schon mit dem ersten Raum macht das ehemalige Kurhaus seinem Namen alle Ehre. Und damit herzlich willkommen im Hunters Hotel, wie es unter Urbexener bezeichnet wird.

 

(c) Niklas Batsch

 

Das alte Kurhaus besteht aus einem alten und einem "neuen" Teil, Altbau und Neubau nennt man es besser ;-) Wobei neu... Nun ja, wie sich schnell herausgestellt hat, kommt der Neubau nicht annährend an das heran, was man im Altbau entdecken kann. Daher sind die meisten Bilder auch in diesem Teil des Gebäudes entstanden.
Zwischen vollgerümpelten Zimmern gab es immer wieder Schmuckstücke, die entdeckt werden wollten, wobei gerade die beiden großen Säle mit Abstand das Beeindruckendste war, was ich seit langem in einem solchen Lost Place gesehen habe. Während des Fotografierens habe ich das ein oder andere Mal versucht, einen Vergleich zu anderen Arealen zu ziehen und mir sind mit Beelitz, Wünsdorf oder dem Schlosshotel W. einige grandiose LPs eingefallen. Und doch kann man gerade einen so gut erhaltenen und eingerichteten "verlassenen" Ort schwer mit anderen derartigen Plätzen vergleichen. Man muss sie fein säuberlich trennen. Und dann ist man von beiden Arten des Lost Place-Genres schwer beeindruckt.

 

(c) Niklas Batsch

 

Sehr amüsant fand ich den Zettel an einer Fensterscheibe, der ungewünschte Besucher draußen halten sollte (natürlich mit dem üblichen Verweis auf Kameraüberwachung ;-)) und gleichzeitig den Hinweis, dass Urbex-Begeisterte sich an eine Handynummer wenden können, um legal das Gebäude betreten zu können. Ich glaube aber auch, dass gerade so etwas dieses wunderschöne, alte Hotel zu dem macht, was es ist. Nämlich noch so erstaunlich und beeindruckend, wie ich es vorfinde durfte. Umso ärgerlicher finde ich es, dass es scheinbar immer noch Idioten gibt, die versuchen, einfach so in das Gebäude zu kommen, es dabei zerstören oder sogar etwas mitgehen lassen. Gerade deswegen werde ich auch nichts Genaueres zur Location sagen und keine Daten weitergeben ;-) Zum Wohle und Schutz dieses wunderbaren Lost Places - und damit noch weitere Fotobegeisterte die Fotografie spüren können!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Hape (Sonntag, 02 April 2017 19:42)

    Ich kann nur zustimmen. Besonders und beeindruckend. Hat mords Spaß gemacht.

  • #2

    Manuel (Samstag, 15 April 2017 19:58)

    Sehr cool geschrieben! Das trifft es echt auf den Punkt! :-)

  • #3

    Sascha Faisst (Samstag, 15 April 2017 23:57)

    Hallo !
    Ich bin Hobby-Musiker.
    Würde gerne einen Teil Deiner Fotos für ein kleines You-Tube Video benutzen ! (Nicht kommerziel)
    Wenn Du damit einverstanden bist, würde ich mich sehr freuen.
    " Niklas Fotografie " wird natürlich im Abspann meines Videos erwähnt !
    Freue mich auf Deine Antwort !
    MfG: postbote72 !!!

  • #4

    Kaja (Dienstag, 18 April 2017 11:12)

    Ich kann mich da nur anschließen - toller Text, er fängt genau das ein, was ich auf den Bildern sehe. Oder eher: spüre. ;)
    Ich glaube, das ist bisher mein Lieblingskapitel aus "Ein Bild und (s)eine Geschichte". Bei Hunters Hotel dachte ich wieder an einen dieser typisch verlassenen Orte, die ihren Charme gewinnen durch eine Art halbzerfallene Erinnerung an das, was sie mal waren. Aber das hier ist etwas komplett anderes! O.o Wie eine Kulisse für einen Märchenfilm, ich kann kaum glauben, dass es wirklich so existiert.
    Mein Lieblingsbild ist übrigens das zweite in der zweiten Reihe. Irgendwie komme ich nicht auf die Pferde klar - die scheinen über der Truhe zu schweben. ^^ Und der Lichteinfall ist unglaublich! O.o

    Ähm, jaah. Du merkst, ich bin mal wieder extrem begeistert. Und überrascht. Und deshalb noch begeisterter. Mach unbedingt weiter so! :)

Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!