Fotografieren im Herbst.

Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit für die Landschaftsfotografie. Im Herbst hat es einfach so schöne Lichtstimmungen - morgens, wenn der Nebel über Felder, Flüsse und Seen wabert und von den ersten Sonnenstrahlen angeleuchtet wird. Oder Wasserfälle, die von bunten Herbstfarben geschmückt sind. Und schließlich die vielen kleinen Details: Bunte Blätter, Pilze, Raureif, ... Da ist für jeden etwas dabei.
In diesem Blogbeitrag möchte ich dir ein paar Foto-Ideen und Tipps und Tricks für das Fotografieren im Herbst geben.

 

Pilze.

Sie sind jetzt überall zu finden: Die kleinen - oder auch größeren - Pilze, in den unterschiedlichsten Farben und Formen, die man sich nur vorstellen kann. Pilze sind ein super Motiv im Herbst und eigentlich überall zu finden. Am besten in düsteren und feuchten Stellen im Wald. Versuch einmal, Pilze auf Augenhöhe zu fotografieren. Geh also ganz tief runter, sodass du die Kamera fast auf den Boden legst. Das wirkt eigentlich immer besser als die bloße Draufsicht.

 

Ich habe schon ab und zu Photoshop-Versionen von Pilzen gesehen - und die wollte ich nun auch erstellen: Leuchtende Fantasy-Pilze im Zauberwald. Der Trick ist ganz einfach: Vor Ort "normal" im RAW-Format fotografieren. Auf eine bodennahe Position mit leichtem Aufblick achten, damit man ein wenig unter die Pilze schauen kann. Dann erfolgt auch schon die Nachbearbeitung, in meinem Fall nur mit Lightroom. Ich habe zunächst die Belichtung stark verdunkelt und den Weißabgleich ins Bläuliche verschoben. Dann habe ich in kleinteiligen Schritten Radialfilter aufgezogen und in ihnen die Belichtung stark angehoben, den Weißabgleich zusätzlich ins Gelbliche verschoben. Die Filter dann an die passenden Stellen gesetzt, Größe und Form angepasst und tadaaaa: die Pilze leuchten.

 

Bunte Blätter.

Das schönste am Herbst sind doch die bunt gefärbten Blätter: die verschiedensten Grün-Töne, Gelb und Orange bis hin zu Rot und Braun. All das kann man in den unterschiedlichsten Motiven darstellen und kombinieren. Ein Ausschnitt vom Wald wählen, in dem möglichst bunte Bäume stehen. Oder mal die Drohne starten und sich das ganze Szenario von oben, aus einer neuen Perspektive anschauen. Da findet man dann oftmals ganz andere Farben - und vor allem auch ganz andere Formen, die man so noch nicht gesehen hat. Oder einfach auch mal in den Wald reingehen. Zum Beispiel an Bachläufe, an denen schon Laub liegt. Mit Langzeitbelichtungen spielen, die Blätter mit dem Polfilter entspiegeln und so eine höhere Sättigung erzielen... Im Herbst gibt es einfach so viele Möglichkeiten.

 

Nebel.

Das wohl Coolste am Herbst ist aber der Nebel! Nebel entsteht dort, wo es feucht ist. Wo es Flüsse, Seen und Felder gibt, dort kann auch Wasser kondensieren. Zudem braucht es Temperaturunterschiede zur Entstehung von Nebel. Im Herbst oder Frühjahr kommt Nebel daher oft vor. Tagsüber muss das Wasser verdunsten, abends und nachts kühlt es ab und kondensiert. Auch nach sommerlichen Regengüssen und Temperaturstürzen kann sich Nebel bilden. Dann muss es schnell gehen: Vor allem morgens und abends kann sich der Nebel durch Temperaturunterschiede und Kondensation bilden.

 

Um zu fotografieren in den frühen und späten Stunden brauchst du ein Stativ, damit die Bilder nicht verwackeln. Da Nebel nichts anderes als Wassertröpfchen ist, solltest du auf trockene Mikorfasertücher o.Ä. achten, um Kamera und Linse zu trocknen.

Wie setzt du Nebel am besten in Szene? Mit Kontrasten! Du brauchst Motive, die sich vom Nebel abheben. Beispielsweise Architektur, die durch den Nebel hindurchsticht oder Felsformationen, um die der Nebel zieht. Belichte etwas über, um die Tiefen und dunklen Stellen im Bild nicht komplett absaufen zu lassen. Der Nebel selbst ist eh diffus und hat keine Struktur, kann daher auch für die Nachbearbeitung etwas heller sein. Vermeide einen Blitz, belichte lieber länger auf dem Stativ. Dazu solltest du von einer Standardblendenzahl (um 8) ausgehen und lieber ein wenig offenblendiger fotografieren, um Licht auf den Sensor zu lassen. Fokussiere manuell auf einen harten Kontrast.

Wenn du Glück hast, bricht durch den Nebel auch noch Sonnenlicht und taucht die Szenerie in einen goldenen Schein.

 

Wasserfälle.

Die schönen Herbstfarben und das tolle Herbstlicht eignet sich natürlich auch perfekt für Wasserfälle. Für Landschaftsfotos an Wasserfällen und Bachläufen nutze ich meist zwei Dinge: Einen Polfilter und eine kurze Langzeitbelichtung. Der Polfilter lässt sich vorne auf das Objektiv schrauben und durch ein zweites Gewinde drehen. Das ist wichtig, da er Spiegelungen aus den Bildern herausnimmt. Man richtet seine Kamera so aus, wie man den Bildausschnitt haben möchte. Dann dreht man den Polfilter in eine Richtung – irgendwann werden die Farben plötzlich kräftiger und intensiver Das fällt oftmals schneller auf als die Entspiegelung und ist der zweite wesentliche Effekt des Filters.


Steine und Blätter werden nämlich auch mit entspiegelt, wodurch deren Farben sehr viel kräftiger zur Geltung kommen. Achtung: Wenn man die Kamera vom Hochformat ins Querformat – oder auch anders herum – kippt, dann muss man den Polfilter auch wieder neu ausrichten, sprich drehen. Ansonsten bleibt die Entspiegelung gleich. Mit ein bisschen Probieren kann man durch den Filter schnell tolle Effekte kreieren.

 

Das zweite Element dieser Bilder: Langzeitbelichtungen. Die sind natürlich abhängig davon, wie schnell sich etwas bewegt. Wie zum Beispiel hier der Bach. In der Regel ist aber als Basiswert eine halbe Sekunde eine gute Zeit, um Wasser in diesen speziellen Zustand zu versetzen, bei dem man eine Langzeitbelichtung schon erkennt, das Wasser aber auch noch Konturen und Spritzen besitzt. Wie in diesen Bildern zu sehen: Die Fließbewegung des Wassers ist klar erkennbar, aber auch noch die unterschiedlichen Strukturen und die Kraft des flüssigen Elements. Aber auch längere Belichtungen sehen bei Wasserfällen und Bachläufen gut aus - denn das ist wie immer Geschmackssache! Länger heißt in diesem Fall: Länger als eine Sekunde. Ich würde als Faustregel eine Belichtungszeit zwischen einer und fünf Sekunden wählen. Je nach Fließgeschwindigkeit kann das Wasser auch hier noch Struktur haben, auffällig ist aber in jedem Fall, dass die Langzeitbelichtung dafür sorgt, dass das Wasser deutlich nebliger und milchiger wirkt als wenn es kürzer belichtet worden wäre.

 

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!