Fotografieren an der Ostsee.

Sechs grundverschiedene Landschaftstypen hat Deutschland zu bieten. Die Küstenregionen sind eine dieser Landschaften. Nach dem Schwarzwald, dem Berchtesgadener Land, den Heidelandschaften und der Sächsischen Schweiz deckt mein Portfolio mit dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft nun fast alle Regionen Deutschlands ab. Voraussichtlich wird schon im Herbst der Sechserpack mit der Region Moselland voll gemacht. Doch was bietet die Deutschlands Küstenlandschaft für Fotografen? Wie reizvoll ist die Region? Diese Fragen werden in den nächsten Zeilen geklärt! ;-)

 

Fischland-Darß-Zingst.

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft besteht vor allem aus der heutigen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst - früher waren das drei eigenständige Inseln! Diese drei Regionen (streng genommen gehört das Fischland gar nicht mehr zum Nationalpark dazu) bilden eine Halbinsel, die mehrere Bodden einschließen. Südlich grenzt die Boddenküste mit den drei großen Orten Ribnitz-Damgarten, Barth und Stralsund, nördlich die Ostsee das Gebiet ein. Die Vorpommersche Boddenlandschaft ist der größte Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern und der drittgrößte überhaupt in Deutschland. Überraschend: Ein Großteil der Region besteht aus Wald. Wind und Wellen sind für die natürliche Entstehung des Darßwalds verantwortlich, ebenso formen sie aber auch stetig den Küstenstreifen. 

Die drei Regionen lassen sich gut unterscheiden: Fischland steht für Tradition, kleine Häfen, Sandstrände und Kunst. Der Darf ist Naturschutzgebiet und besteht vor allem aus dem Darßwald, an den der naturbelassene, raus Weststrand anknüpft. Und Zingst ist der Touristenmagnet, Austragungsort des Umweltfotofestivals "Horizonte Zingst" und steht nicht nur deshalb im Zeichen der Fotografie.

 

Abends in Ahrenshoop.

Ahrenshoop ist ein kleiner Ort in Fischland und vor allem wegen einer fotografischen Sehenswürdigkeit bekannt: Das weiße Haus. Am Ende des Ortes, in den Dünen steht ein wunderschön gelegenes Ferienhaus, das für uns Fotografen ein klasse Motiv abgibt. Die Region ist sowieso prädestiniert für Landschaftsfotografie: Von Fischland bis zur Nordwestspitze des Darßwalds geht die Küste nach Westen, was bedeutet: Perfekt für den Sonnenuntergang, da die Sonne abends am Horizont im Meer versinkt. Zingst und Umgebung ist sowohl für Sonnenaufgang als auch -Untergang geeignet, da die Küste dort den Blick nach Norden erlaubt. 

In Ahrenshoop empfiehlt sich daher der Zeitraum von kurz vor Sonnenuntergang bis die Sonne dann wirklich im Meer verschwunden ist. Kleiner Bonustipp: Mit Rad oder Auto den Grenzweg bis ganz nach hinten (hinter die Kurve und den kleinen Hügel hinauf) fahren - dort gibt's einen versteckten Parkplatz, von dem es keine 50 Meter zum Spot sind. 

Ich habe direkt den ersten Abend am Ankunftstag genutzt und mein Stativ sowie Kamera-Rucksack geschnappt, um die ersten Bilder einzufangen. Wer mal am Meer war oder ist, wird nämlich wissen, dass sich dort das Wetter sehr schnell ändern kann - und schon in den nächsten Stunden oder am nächsten Tag statt Sonnenuntergang nur Regen und Wolken zu sehen sind. 

Das flache Vor-Sonnenuntergangslicht habe ich genutzt, um ein Foto vom weißen Haus zu schießen, das in diesem Zeitraum wunderbar angestrahlt wurde. Im Vordergrund ein wenig Düne, dahinter noch die Ostsee - perfekt! Für das Bild habe ich eine relativ kurze Verschlusszeit gewählt, damit die Gräser im Vordergrund nicht verwehen.

Danach ging es dann an den Strand runter, um das Meer und den Sonnenuntergang festzuhalten. Dazu habe ich mir eine Buhne gesucht, die als Linie in Das Bild hineinführt. Mit einer Verschlusszeit von ca. 1/10 habe ich das Wasser in seiner Bewegung eingefangen, ohne es komplett glatt zu ziehen. Das ist immer eine Schwierigkeit am Meer - und Geschmacksache. Mehr dazu aber später.

 

Unterwegs im Darß.

Um ein wenig die Mittagszeit zu überbrücken oder schon auf Location-Scouting zu gehen, lohnt sich die Radtour im Darß. Am besten startet man von dem großen Campinggebiet in Prerow und legt per Rad die fünf Kilometer durch den Darßwald zum Darßer Ort zurück. Achtung: Rechnet lieber nicht mit einem wirklichen Ort am Strand... Dort steht nämlich 'nur' ein Leuchtturm und ein kleines Museum. Beides gut besucht, aber auch nett anzusehen. 

Der Leuchtturm ist sicherlich das fotografische Highlight dort - zumindest tagsüber. Auch abends kann man dort hin, um am Strand den Sonnenuntergang über dem Meer zu fotografieren, allerdings ist der Weg eben ein wenig länger. 
Möchte man den Leuchtturm menschenfrei darstellen, dann am besten vom Ufer unten, mit einem leichten Tele. Dann sind nämlich zwischen Leuchtturm und Kamera Dünen, die die Touristen ganz natürlich weg retuschieren. ;-) Auch hier würde ich eine möglichst kurze Verschlusszeit raten, um das Gras nicht verwischen zu lassen. 
Und ansonsten: Einfach mal ausspannen und erholen, denn anstrengend wird es noch. ;-)

 

Sonnenuntergang am Weststrand.

Wie der Name schon sagt, ist der Weststrand nach Westen aus gerichtet - und damit perfekt für uns Landschaftsfotografen, da die Sonne direkt vor unserer Nase (und Linse) im Meer versinkt. Er ist einer von drei Top-Spots im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Hin kommt man am besten vom Parkplatz 'Dre Eichen'. Von dort geht's zu Fuß ca. 20 Minuten und per Drahtesel gute acht Minuten bis an den Strand. Kleiner Weg-Tipp: erstmal einfach nur geradeaus dem Wanderweg folgen und anschließend an der zweiten Gabelung links abbiegen (und nicht schon an der ersten, obwohl das Hinweisschild vor Ort das behauptet).

Was euch dann erwartet: einer der zehn schönsten Strände Europas. Wild, rau, naturbelassen. Das beschreibt den Weststrand der Vorpommerschen Boddenlandschaft wohl am besten. Und mit etwas Glück und Planung bekommt man dann noch einen Sonnenuntergang, der sich gewaschen hat. Neuseeland-Feeling macht sich breit. 
Kommt man über den Wanderweg näher an den Strand, hört man schon früh das Tosen der Wellen, dann erkennt man auch immer besser die Kiefern, die eng nebeneinander stehend schon für sich ein Fotomotiv sind. Unten am Wasser angekommen ist man erst einmal geplättet von so viel Naturschönheit. 

Besonders interessant wird der Weststrand durch die vielen Äste und Wurzeln, die am Wasser liegen und so einen perfekten Vordergrund für ein Landschaftsfoto abgeben. 

Immer wieder lohnt sich aber auch der Blick nach hinten: Denn die tief stehende Sonne strahlt die Kiefern des Darßwalds in einem rötlich-orangenen Licht an - die Stämme färben sich in einer wunderbaren warmen Lichtstimmung.

Unten am Wasser sucht man sich dann am besten einen Baumstamm, eine Ast oder eine Wurzel und versucht, eine stimmige Bildkomposition zu erschaffen. Das ist nicht immer ganz einfach, da die Wellen mal mehr, mal weniger nahe kommen und man den perfekten Moment abpassen muss: 1) Die Welle muss nahe genug kommen, damit sie den Baumstamm umspült und man das Wasser glatt ziehen oder in Bewegung einfrieren kann. 2) Man muss genau richtig auslösen, damit die Welle nicht zu weit hinten und nicht schon zu weit vorne, also aus dem Bildausschnitt draußen, ist. Und 3) gilt es, den perfekten Zeitpunkt abzupassen: Denn kommt die Welle zu weit, sinkt das Stativ ein und man muss sich wieder neu positionieren und neue Einstellungen treffen. 

Daher: Lieber etwas früher kommen, ausprobieren, sich ein Bild überlegen und dann gut vorbereitet das kleine Zeitfenster mit dem tollen Licht nutzen.

 

Die 'richtige' Belichtungszeit am Wasser.

Immer wieder ist es spannend, am Wasser die 'richtige' Belichtungszeit zu wählen. Dazu habe ich schonmal einen ausführlichen Blogbeitrag geschrieben. Am Meer gibt es praktisch nur zwei Möglichkeiten. Die kurze Langzeitbelichtung und die lange Langzeitbelichtung. Das bedeutet: Entweder ist die Verschlusszeit relativ kurz - also etwas zwischen einer halben Sekunde und 1/50 Sekunde - oder man verlängert sie künstlich mit einem Graufilter, auch ND-Filter genannt.

Die klassische Langzeitbelichtung: Hier ca. 13 Sekunden mit ND-Filter belichtet. Das Wasser ist sehr milchig-neblig und hat keinerlei Struktur mehr.
Die klassische Langzeitbelichtung: Hier ca. 13 Sekunden mit ND-Filter belichtet. Das Wasser ist sehr milchig-neblig und hat keinerlei Struktur mehr.
Die kürzere Belichtungszeit: Zwischen einer halben Sekunde und 1/50 kann sich hier alles abspielen, um dem Wasser noch eine leichte Struktur zu verpassen.
Die kürzere Belichtungszeit: Zwischen einer halben Sekunde und 1/50 kann sich hier alles abspielen, um dem Wasser noch eine leichte Struktur zu verpassen.

 

Ist die Verschlusszeit am Meer kurz, kann man das intensive Wellenspiel gut einfangen. Dann sind die nahen Wellen, die bis ans Stativ oder den Fotografen kommen, noch relativ gut zu erkennen, haben Struktur und eine Schaumkrone.

Verlängert man aber die Verschlusszeit mit einem Filter, so kann man deutlich länger belichten - und damit das Wasser regelrecht glatt ziehen. Es entsteht dann eine milchig-neblige Oberfläche, auf der man das Wellenspiel so nicht mehr erkennen kann. Dafür benötigt man Verschlusszeiten von über zehn Sekunden bis hin zu Minuten. Möglich machen das beispielsweise ND64x oder ND1000x Filter. Das kommt aber auch immer auf die Gegebenheiten an. Ist das Meer von sich aus ruhiger, reichen auch kürzere Verschlusszeiten, ist es wild, benötigt man längere Zeiten, um das Wasser zu bändigen.

 

Stürmische Ostsee.

Apropos stürmisch: Bisher gab es hier ja nur schöne Sonnenuntergänge zu sehen. Aber die Ostsee und das Ostsee-Wetter können genauso wild und rau wie schön sein. Dann bieten sich Langzeitbelichtungen an, um die Wolken dramatisch bewegen zu lassen. Die Buhnen, die man quasi wie Sand am Meer findet, stellen klasse Führungslinien oder Vordergründe dar. Wenn ein Ostseeort etwas auf sich hält, hat er auch eine Seebrücke, die ebenfalls für uns Fotografen wie gemacht sind. 

Zeigt das Meer seine stürmische Seite, muss man natürlich abwägen: Langzeitbelichtungen und glattes, nebliges Wasser... oder den Moment festhalten, wenn eine hohe Welle über die Buhnen peitscht? Da ich Fan von langen Belichtungszeiten und Arbeiten mit Filtern bin, findet ihr vor allem eben diese hier auf dem Blogbeitrag. Außerdem bin ich der Meinung, dass Langzeitbelichtungen immer mehr Dramatik mit ins Bild bringen - das ist aber Geschmacksache und vielleicht empfinde ich es auch nur so. ;-)

Ein tolles Motiv etwas abseits vom Wasser sind auch die Dünen mit ihren Grashalmen. Sucht man sich einen Abschnitt mit Strandkörben dahinter, hat man sofort ein typisches Postkarten-Motiv. Entweder mit Sonnenuntergang oder mit dramatischer Wolkenstimmung. ;-) Ihr seht also: Die Ostsee-Region hat doch ganz schön viel zu bieten.

 

Tierische Ostsee.

Wo es Natur hat, hat es Tiere. Natürlich auch an der Ostsee, auch wenn dort die Artenvielfalt ein wenig beschränkt ist. Was man aber an jeder Ecke, auf jedem Pfeiler und auf jeder Buhne findet, sind Möwen. Mit ein bisschen Glück auch Kraniche. Im Herbst und Frühling gibt es in den Naturschutzgebieten auch Rotwild und weitere Vogelarten, vor allem wenn man morgens dort zum Fotografieren ist. 

Glück ist auch ein gutes Stichwort: Mit ein wenig Fingerkreuzen sieht man auch die ein oder andere Robbe. Und mit ganz viel Ausdauer und dem richtigen Auslösen hat man dann ein Foto, wenn die putzigen Tiere aus dem Wasser gucken. 

Ich bin wahrlich kein Profi in Sachen Tierfotografie; ein, zwei Tipps kann ich euch aber trotzdem geben. Zunächst einmal benötigt ihr ein Tele-Objektiv, um die scheuen Tiere nahe ran holen zu können. Je lichtstärker, desto besser. Vor allem ist aber eine schnelle Verschlusszeit wichtig, damit die Tiere in ihren meist schnellen Bewegungen eingefroren werden können. Und schließlich erzeugt man einen spannenden Bildlook, wenn man sich - wenn möglich - auf Augenhöhe zu den Tieren begibt. Dadurch entsteht meist auch eine Schärfeverlagerung mit einem schönen unscharfen Vorder- und Hintergrund. Eines ist aber unerlässlich: In der Tierfotografie muss man immer weiter üben, um besser zu werden - und Geduld haben!

 

Zur blauen Stunde am Meer.

Die blaue Stunde lohnt sich auch am Meer. Vor allem ist sie interessant, wenn man irgendwie gelbe, künstliche Lichter als Kontraste einbauen kann. Das geht an der Ostsee, in der Vorpommerschen Boddenlandschaft und in Fischland-Darß-Zingst vor allem an den bekannten Seebrücken. Ganz viele Orte haben Seebrücken, die in die Ostsee hinaus führen. Die sind vor allem abends für uns Fotografen super-spannend, da dann die Lichter auf den Brücken angehen. Und genau die bieten den besagten Kontrast zum intensiven Blau des Nach-Sonnenuntergang-Himmels. Wenn es dann auch noch dramatisch wird, die Sonne durch die dicke Wolkendecke dringt und einen schmalen Spalt mit Licht füllt, ergibt sich ein wunderbares Motiv.

Essentiell ist hier ein Stativ. Die Belichtungszeiten in der Nacht sind meistens ca. 40 Sekunden bis eine Minute. Bonus-Tipp: Ihr müsst die richtige Position finden. Steht ihr zu nah am Wasser und eine Welle erwischt - wenn auch nur leicht - das Stativ, werden die Stativbeine umschwemmt und sinken minimal in den Sand ein. Allerdings ist dann auch sofort das Bild verwackelt. Mit einer geschlossenen Blende - ca. 16 bis 22 - könnt ihr Blendensterne von den Lichtern erzeugen. Die Voraussetzung dabei ist, dass die Lichter auch genug strahlen und hell genug sind, sonst sieht es eher mau mit Sternen aus... ;-)

 

Fotografieren in Zingst.

Die größte und bekannteste Seebrücke der Region findet man aber in Zingst. Zingst ist für Fotografen fast schon DER Place to Be im Norden. Einmal im Jahr findet dort das Umweltfotofestival 'Horizonte Zingst' statt - mit Ausstellungen, Seminaren, Workshops, und und und. Fotogen ist vor allem die Seebrücke am Strand, auch wenn dort natürlich die meisten Touristen anzutreffen sind. Zum Fotografieren eignet sich daher vor allem der Sonnenaufgang. Ich war jedoch abends dort und auch zu dieser Zeit kann man spannende Fotos schießen. Gleich drei bis vier unterschiedliche Motive gibt es zu entdecken.

Zum einen wäre da logischerweise die Seebrücke selbst, die man spannend in Szene setzen kann - zum Beispiel mit einer Buhne im Vordergrund, die parallel zur Brücke verläuft. Dabei gilt es abzuwägen, ob man eher kurz belichtet und so die Bewegung des Wasser leicht einfriert oder mit ND-Filtern eine Langzeitbelichtung erzeugt. Der Vorteil: Die Menschen auf der Seebrücke verschwinden so direkt, ohne dass man eventuell viel mit Photoshop nachhelfen muss.

Der zweite Spot liegt nur wenige Meter links neben der Seebrücke. Es ist ein alter Fischersteg, von dem nur noch die Pfeiler und wenige Querstreben sowie Seile zu sehen sind. Auch ihn kann man entweder alleine oder mit der Seebrücke im Hintergrund ablichten. Außerdem gibt es in regelmäßigen Abständen die für die Gegend typischen Buhnen am Wasser zu finden, die immer wieder ein spannendes Motiv sind und an denen man viel ausprobieren kann. 

Schließlich kann man auch noch einen der vielen Dünen-Übergänge nutzen, um die Strandkörbe, den Sand und die Dünengräser zu fotografieren. Es gibt also einiges, womit man sich vor Ort beschäftigen kann.

Deshalb sei gesagt: Es ist in Zingst auch immer viel los. Ihr werdet dort sicherlich nicht allein fotografieren, weshalb ihr euch rechtzeitig einen Platz am Meer suchen solltet. Wenn ihr zum Sonnenuntergang dort seid, kommt lieber etwas früher. Die Sonne versinkt nicht direkt im Meer, sondern hinter dem Darßwald und geht daher früher unter. Außerdem ist die goldene Stunde kurz vor Sonnenuntergang fast spannender, da man Glück haben muss, damit sich nach Sonnenuntergang überhaupt die Wolken ein wenig färben.

 

Der Gespensterwald in Nienhagen.

Einer der mystischsten Spots in der Ostsee-Gegend ist mit Sicherheit der Gespensterwald in Nienhagen. Er liegt direkt über dem Strand von Nienhagen, eine steile Klippe fällt ab. Von dort aus ragen schier endlos Altholzbuchen in den Himmel. Bis zu 170 Jahre alt sind sie. Das spannende vor Ort: Wenn man die ersten 100 Meter durch den 'normalen' Wald gegangen ist, eröffnet sich dann auf einmal der Blick auf diesen gespenstischen Wald. Der heißt so, weil man nur die ersten Baumreihen erkennen kann. Nur zehn, zwanzig Meter später ist der Wald so dicht, dass man die einzelnen Bäume nicht mehr erkennen kann, es wird düster und man kann nur vermuten, was sich in den endlosen Tiefen versteckt. ;-)

Den Gespensterwald sollte man am besten morgens zur Dämmerung mit Nebel oder abends zum Sonnenuntergang besuchen. Hat man Glück mit dem Wetter - ich leider nicht, denn kurz nach Ankunft zog ein Orkan über die Küste, sodass ich nur fünf Minuten fotografieren konnte - dann erzeugt die tief stehende Sonne lange Schatten von den Baumstämmen, mit denen man einen tollen Bildaufbau erzielen kann. 

Kleiner Bonus-Tipp: Mit dem Weitwinkel könnt ihr die Größe und Masse des Waldes abbilden. Mit dem Tele könnt ihr einzelne Abschnitte und Stämme hervorheben und das durchscheinende Licht einfangen. Je nach Sonnenstand könnt ihr auch einen Sonnenstern mit ins Bild einbauen.

 

Fotografieren an der Ostsee - ein Fazit.

Die Ostsee ist deutlich vielfältiger und fotogener als man vielleicht am Anfang denkt. Ob Wald, Wiesen, Meer, Strand oder Tiere, hier findet eigentlich jeder irgendwo spannende Motive. Für einen Foto-Trip würde ich eine intensive Recherche zu Hause empfehlen, da vor Ort vieles auf den ersten Blick relativ gleich und ähnlich wirkt. Allein der Vergleich Gespensterwald und Darßwald/Weststrand zeigt, dass man nicht immer davon ausgehen kann, dass Wald gleich Wald ist. ;-)

Für ein langes Wochenende würde ich den Sonnenuntergang am Gespensterwald und am Weststrand empfehlen und zu Sonnenaufgang nach Zingst zur Seebrücke gehen. Einen Strich durch das geplante Foto kann euch allerdings ganz schnell das Wetter machen... Ist am Nachmittag noch 70% Sonne für den Abend angekündigt, kann sich schnell mal eine Sturmfront vom Meer aus Richtung Land schieben - und ihr sucht lieber das Trockene. ;-)

Wer eine lange Anreise hat, sollte daher lieber ein paar Tage mehr einplanen, um flexibel zu sein. Denn tolle Landschaftsfotos kann man hier zu genüge schießen!

 

Kommentare: 2
  • #2

    Niklas (Mittwoch, 02 Oktober 2019 21:57)

    @Kaja

    Lieben Dank dir für dein Feedback! Die Ostsee lohnt sich wirklich, da solltest du (nach mir im Schwarzwald ^^) auf jeden Fall mal vorbeischauen ;)

  • #1

    Kaja (Mittwoch, 02 Oktober 2019 01:54)

    Oh wow, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll ... O.o Ich war eigentlich schon immer der totale Meer-Fan, wobei ich sagen muss, dass mir gerade durch deine Fotografien Berge, Wiesen und Seen immer sympathischer geworden sind. Aber jetzt, wo ich deine Ostsee-Fotos sehe - doch, es gibt nichts Besseres als das Meer! :D
    Deine Seebrücken-Fotos sind wunderschön, der Kalt-Warm-Kontrast wirkt wahnsinnig gut! :)
    Und die Sonnenuntergangsbilder mit den Ästen am Strand sind so typisch romantische Niklas-Fotos. :)
    Aber obwohl ich deine menschenleeren Landschaften immer echt überwältigend finde, muss ich wieder sagen, dass die winzigen menschlichen Spuren darin wahnsinnig spannend sind! Zum Beispiel die Frau (?) in der roten Jacke im letzten Foto des Gespensterwalds wirkt total gut. Oder die Personenschemen auf dem Leuchtturm-Foto, die durch die Langzeitbelichtung so geisterhaft scheinen.
    Ah, und apropos Leuchtturm: Der Leuchtturm in Darß kommt mir dezent bekannt vor! :D Ich hatte für meinen Mnemophobia-Trailer damals Meer-Aufnahmen gebraucht und meinen Eltern, die sowieso dort Urlaub gemacht hatten, meinen Camcorder mitgegeben. Und jetzt sehe ich ihn hier wieder! Langsam glaube ich, ich muss selbst mal dort hin - kann ja nicht sein, dass ich ihn immer nur mittelbar wahrnehme. :P
    Und bevor ich's vergesse: Das Robbenfoto ist ja mal so was von süß! *.*

    Mach unbedingt weiter so! :)

Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!