Fotografieren an der Mosel.

Nach dem Schwarzwald, den Heidelandschaften, dem Berchtesgadener Land, der Sächsischen Schweiz und der Ostsee konnte ich nun den sechsten Landschaftstypen Deutschlands fotografieren: Die Mosel-Regionen mit ihren teils extremen Weinbergen. Damit ist der Landschafts-Sechserpack nun voll. In diesem Blogbeitrag nehme ich dich mit in die Weinreben, zu Moselausblicken, Burgen und Hängeseilbrücken.

 

Die Mosel-Region.

Die Mosel schlängelt sich von den Vogesen Frankreichs bis und mündet über den Rhein schlussendlich in der Nordsee. Als Mosel-Region bezeichnet man vor allem die Gegend in Rheinland-Pfalz rund um die Städte Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach, Zell und Cochem. Geprägt ist die Landschaften von Feldern, Wiesen und Wald - und vor allem einem: Weinreben! Die teilweise extrem steilen Hänge entlang der Mosel sind bestückt von den unterschiedlichsten Weintrauben-Sorten. Der steilste Weinberg Deutschlands liegt übrigens ebenfalls in dieser Gegend. Zum Fotografieren bietet sich natürlich der Sonnenaufgang und der Sonnenuntergang entlang des Flusses an. Für ein verlängertes Wochenende empfehle ich zum Sonnenaufgang die Moselschleife und die Hängeseilbrücke Geierlay, abends die Burg Eltz sowie Cochem. Auch Traben-Trarbach, Bernkastel, Beilstein und viele weitere Orte und Aussichten sind empfehlenswert. Zieht einfach los und erkundet die Region!

 

Rund um die Burg Eltz.

Bevor es am ersten Tag zur Burg Eltz ging, einem der Top-Spots im Moselland (und auf Instagram), wollte ich noch die Pyrmonter Mühle mit der Burg Pyrmont "mitnehmen". Da sie nur wenige Kilometer von der Burg Eltz entfernt liegt, bietet sich das wirklich gut an. Vor Ort findet man einen kleinen See mit mehrere Wasserfällen, Brücke, das Landgasthaus Pyrmonter Mühle und darüber die Burg Pyrmont, sodass man einige Möglichkeiten hat, sich an Perspektiven und Kompositionen auszuprobieren. Am besten nimmt man seinen ganzen Fotorucksack mit. Mit ND-Filtern kannst du hier prima Langzeitbelichtungen schießen. Aber auch mit dem Teleobjektiv wird man fündig: Die Burg Pyrmont lässt sich sehr nah heranholen und von Blättern im Vordergrund einrahmen. Tipp: Am besten im Herbst an die Mosel fahren, wenn sich die Blätter verfärben!

 

Von der Pyrmonter Mühle geht es dann aber weiter zur Burg Eltz. Am besten sollte man dorthin früh morgens oder spät abends kommen - um den Touristen und Wanderern zu entgehen. Weder zum Sonnenaufgang, noch zum Sonnenuntergang ist der Spot ideal. Morgens kann man teilweise Glück haben mit Nebel, doch das ist relativ selten der Fall. Abends wird die Burg und der Wald dahinter leicht eingestrahlt, auch das hat etwas. Sei so oder so früh dran, um die verschiedenen Perspektiven auszuprobieren. Auch mit unterschiedlichen Objektiven lässt sich hier gut spielen. Bei Wolken bieten sich auch Langzeitbelichtungen an - mit denen kannst du außerdem die Touristen vor Ort "eliminieren". 

Vor Ort gibt es einen offiziellen, kostenpflichtigen Parkplatz, von dem es ca. 500 Meter steil bergab zur Burg geht. Alternativ fährt hoch und runter ein Shuttle-Bus - für die älteren unter uns (oder die Fuß-faulen ;-)). 

 

Auf dem Hinweg zur Burg Eltz - die übrigens im 12. Jahrhundert erbaut wurde - gibt es einen kleinen Aussichtspunkt, sodass man die Burg leicht von oben fotografieren kann. Mit dem leichten Tele habe ich sie bildfüllend herangeholt und mit bunt gefärbten Laubblättern eingerahmt. Unten vor der Burg bietet sich entweder die Fluchtperspektive an, sodass der Weg genau mittig auf das märchenhafte Gebäude zuführt. Spannend fand ich aber auch die Version, die Burg ein wenig nach links zu versetzen und so auf der rechten Seite den vom Sonnenuntergang verfärbten Himmel noch mit ins Bild einzubauen. So wirkt das Motiv wie aus einem Disney-Film. 
Etwas abgelegener ist der Blick nur hundert Meter weiter rechts. Dort schaut man seitlich auf die Burg Eltz, abends werden dahinter auch noch die Bergkuppen angestrahlt, sodass eine spannende Bildkomposition entsteht.

 

Morgens in Bernkastel-Kues.

Die Promenade von Bernkastel-Kues mit der Burg Landshut ist natürlich eines DER Fotomotive in der Mosel-Region. Vor allem morgens (und wenn man Glück hat auch noch zu Sonnenaufgang) ist die Stimmung in der Mosel-Stadt super. Am besten steht man zeitig auf und lichtet die Uferseite in der blauen Stunde ab. Dort ist der Kontrast zwischen dem Blau des Himmels und den Lichtern der Stadt besonders intensiv. Leider hatte ich kein Glück, der Himmel war komplett bewölkt, sodass es keinen Sonnenaufgang für mich gab. Mit mehr Zeit würde ich das natürlich nochmal versuchen, die Sonne geht nämlich hinter den Hügeln der Burg Landshut auf. 

 

Um hohe ISO-Werte zu vermeiden fotografiert man in der blauen Stunde normalerweise immer mit Langzeitbelichtung. Das geschieht aufgrund des nicht vorhandenen Lichts ganz automatisch. So bekommt man in Bernkastel-Kues eine schöne Spiegelung im Wasser mit glattgezogener Oberfläche. Allerdings ist mir dann plötzlich und unerwartet ein Model vor die Linse geschwommen. Daher habe ich schnell reagiert und den ISO-Wert auf 1000 hochgedreht. So konnte ich einigermaßen kurz belichten und den Schwan im Vordergrund fast perfekt scharf mit ins Bild einbauen. Welche Version des Motivs gefällt dir denn besser? ;-)

 

Unterwegs in den Weinbergen.

Wenn man schonmal in Bernkastel-Kues ist, kann dort auch gleich noch der Burg Landshut einen Besuch abstatten. Dort ist es zwar ein wenig voll und touristisch, aber mit der richtigen Perspektive kann man die ganzen Menschen relativ gut verdecken. Geprägt ist die Mosel-Region ja von den - teilweise extrem steilen - Weinbergen. Daher wollte ich diese Motive natürlich auch einfangen. Es gibt ein paar Panoramastraßen, von denen man immer wieder tolle Ausblicke auf die Weinreben und Dörfer an der Mosel hat. Zwischendurch ist mir eine Sonnenuhr an einem Felsvorsprung aufgefallen, die ich natürlich auch sofort ablichten musste. 

 

Bei solchen Bildern nutze ich gerne mein leichtes Tele, da mit einer Weitwinkel-Linse hier fast zu viel auf einem Bild zu sehen wäre. Mit ein paar Laubblättern im Vordergrund wird die charakteristische Herbststimmung deutlich, dahinter dann die Mosel, Dörfer und Weinreben. So kann man auch mal einen Mittag überbrücken, an dem es nicht das perfekte Foto-Licht hat. Tipps kann ich hier nicht wirklich geben, mir persönlich hat aber die Panoramastrecke von Ürzig sehr gut gefallen. Dort sind auch die meisten Bilder an jenem Mittag entstanden. 

 

Cochem am Abend.

Die - zugegeben - etwas touristische Moselstadt Cochem bietet ein tolles Panorama inklusive Burg. Daher bietet sich dieser Spot sowohl morgens als auch abends an. Einmal wird der Burgberg angeleuchtet, einmal geht die Sonne dahinter unter und verfärbt Himmel und Wolken. Die größte Schwierigkeit dabei ist, dass der Berg nicht komplett schwarz absäuft und der Himmel hell ausbrennt. Da hilft nur eine Nachbearbeitung und Aufhellen/Abdunkeln in Lightroom. Alternativ bieten sich auch mehrere Belichtungen an, die später übereinander gelegt werden. Das Highlight ist sicherlich die Reichsburg, die man jedoch mit verschiedenen Perspektiven in Szene setzen kann.

 

Empfehlenswert ist es, schon deutlich vor dem Sonnenuntergang vor Ort zu sein, um spannende Perspektiven auszuprobieren. Das Licht kurz vor Sonnenuntergang, während Sonnenuntergang bis in die blaue Stunde ist wirklich klasse. Daher gibt's auch hier auch diese drei unterschiedlichen Bilder zu sehen. Zunächst einmal das Hauptmotiv im Licht des Sonnenuntergangs. Danach eine Panorama-Aufnahme nach Sonnenuntergang mit den Lichtern der Promenade. Und schließlich die Reichsburg Cochem mit einem Tele-Objektiv in der blauen Stunde nah herangeholt. Du siehst also: Ein Spot - viele Möglichkeiten! ;-)

 

Die Moselschleife bei Bremm.

Die Moselschleife bei Bremm ist der Fotospot schlechthin in der Region. Und das nicht umsonst. Denn im besten Fall geht die Sonne direkt über der Schleife auf, Nebel hüllt das Tal ein und ein bunt gefärbtes Wolkenspiel ist am Himmel zu sehen. Perfekt war es bei meinem Besuch zwar nicht, aber es schon sehr nah dran! ;-)

Bremm hat übrigens Europas steilsten Weinberg, Calmont. Dementsprechend geht es auch so ziemlich senkrecht runter, wenn man oben am Gipfelkreuz steht. Ein paar Meter weiter nach unten sollte man schon gehen, dort gibt es nochmal eine kleine Schutzhütte, von der aus man einen besseren Blick auf die gesamte Schleife hat als oben am Kreuz. Noch besser ist es, wenn man von der kleinen Hütte noch ein paar Schritte weiter runter geht, es folgen nochmal zwei kleine Aussichten, von denen man die beste Sicht auf die Mosel hat. 

 

Hinkommen ist entweder anstrengend oder relativ leicht möglich: Für die Motivierten unter uns lohnt sich sicherlich der Aufstieg durch die Weinberge von Bremm aus. Dafür sollte aber, je nach Kondition, zwischen ein bis zwei Stunden eingeplant werden. Die, die es leichter haben wollen, fahren von Bremm aus nach oben und starten vom Parkplatz auf der Höhe. Von dort geht es ziemlich eben gute 20 Minuten zum Kreuz. 

An dem tollen Fotospot angekommen sollte man sich in Ruhe eine interessante Komposition suchen. Am besten mit Vordergrund, der Mosel und den Weinbergen im Hintergrund. Die beste Zeit zum Fotografieren ist der Sonnenaufgang. Komm am besten ein paar Minuten früher, um die einzurichten. Anfang Oktober ging die Sonne ca. um 7.45 Uhr auf, ich stand gegen 7 Uhr bereits an der Aussicht. In fotografischer Hinsicht solltest du auf jeden Fall einen Verlaufsfilter dabei haben – oder alternativ mehrere Belichtungen schießen. 

 

Ebenfalls empfehlen kann ich ein Teleobjektiv. Gerade wenn es Nebel hat, ergeben sich so unzählige kleinere Motive, die sich lohnen. Im großen Weitwinkel-Bild fallen diese Details dann meistens nicht mehr auf. So bleiben aber auch diese Momente gut aufgehoben auf der Speicherkarte.

 

Über Traben-Trarbach.

Am letzten Abend ging es nach Traben-Trarbach. Den besten Blick auf die Moselstadt hat man von der Grevenburg im Ortsteil Trarbach aus. Um dorthin zu kommen, kannst du entweder unten vom Ort aus starten und über einen kleinen Weg nach oben wandern. Alternativ ist die Anfahrt mit dem Auto aus von Enkirch über Starkenburg aus, bis eine kleine abenteuerliche Straße Richtung Burg abgeht. Dort können auch ein paar wenige Autos parken. 

 

Sehr schön ist der Blick natürlich zu Sonnenuntergang, wenn die Wolken angestrahlt werden, und zur blauen Stunde, wenn die Lichter der Stadt angehen und sich vom intensiven Blau des Himmels abheben. Beide Male gibt es natürlich eine klasse Spiegelung in der Mosel. Du kannst vor Ort eventuell ein Panorama versuchen, was aber durch rein relativ hohes Geländer schwierig wird. Die Moselschleife an dieser Stelle ist ansonsten einfach zu breit, um ganz abzulichten. 

Die Grevenburg selbst kann man auch mit ins Bild einbauen, als ich dort war, wurde jedoch gebaut, sodass einige unschöne Elemente das eigentlich nette Motiv ein wenig „zerstörten“.

 

Sonnenaufgang an der Geierlay.

Mit der Hängeseilbrücke Geierlay machst du, wenn du an der Mosel bist, den Influencer-Instagram-Hattrick voll. Nach der Burg Eltz und der Moselschleife ist die Geierlay der Anlaufpunkt für eben genannte. Dementsprechend voll ist es dort. Selbst zu Sonnenaufgang waren mit mir mindestens zehn andere Personen an bzw. auf der Brücke. Das Problem vor Ort ist: Steht erstmal einer oder später auch mehrere auf der Geierlay, dann ist das Motiv quasi vernichtet. Man hat keinerlei Ausweichmöglichkeiten und die Leute hinterher am PC herausarbeiten ist schwierig. Daher empfehle ich: Früh kommen! Ich war ca. eine dreiviertel Stunde vor Sonnenaufgang da und habe mein Lieblingsmotiv (das in der Mitte) eine knappe halbe Stunde vor Sonnenaufgang geschossen. Nur ein paar Minuten später wird die Brücke überflutet...

 

Bonustipp zwei: Schnell habe ich vor Ort gemerkt, dass ein Weitwinkel hier schwierig wird. Ich habe daher auf mein Teleobjektiv gewechselt und mag die Bildwirkung auf den beiden Hochkant-Fotos total gerne. Da ich normalerweise weitwinklig fotografiere, war ich erst skeptisch, ob die Brücke so nun überhaupt gut rüber kommen würde, doch die Ergebnisse stellen mich zufrieden ;-). Da ich aber nicht ohne ein ganz weites Bild gehen konnte, habe ich einmal kurz die Drohne gestartet, um ein Überblicksbild zu schießen. Dort sieht man besonders gut das Tal und den gegenüberliegenden Hügel - und natürlich auch die Länge der Geierlay, die die ehemals längste Hängeseilbrücke Europas ist.

 

Fotografieren an der Mosel - ein Fazit.

Zugegeben, die Mosel ist vielleicht nicht so spannend wie die Sächsische Schweiz oder das Berchtesgadener Land, aber sie hat definitiv ihren Charme und ihre Highlights. Die "großen" drei sind leider mittlerweile aufgrund von Instagram sooo überlaufen, dass sie sich fast schon gar nicht mehr lohnen... Wobei - den morgendlichen Blick über die Moselschleife darf man sich eigentlich nicht entgehen lassen. Am besten kommt man deshalb auch im Herbst in die Region, wenn sich das Laub schön färbt und Morgennebel in den Tälern und über der Mosel zu sehen ist. Das Gebiet lohnt sich meiner Meinung nach vor allem für einen Kurz-Trip über ein verlängertes Wochenende.

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!