Die Ethikfrage der Fotografie.

- oder: Mein Bearbeitungs-Workflow.

(c) Niklas Batsch
(c) Niklas Batsch

Okay, ich gebe zu: Der Titel dieses Blog-Artikels ist ein wenig übertrieben. Und doch werde ich immer wieder gefragt: "Wie? Du bearbeitest deine Fotos?!" Wenn ich dann antworte, dass ich das tue, gibt es zwei unterschiedliche Reaktionen: Ein offener Mund und symbolisch ratternde Zahnräder, die gerade versuchen ein Ursprungsbild herzustellen und dieses mit Instagram-Filtern zu verbinden, oder ein anerkennendes Nicken.
Zeit also, Klartext zu reden. Ja, alle meine Bilder sind bearbeitet, aber nicht manipuliert - deshalb sage ich auch gerne Bildoptimierung statt Bearbeitung.

 

Lightroom als Werkzeug. Anhand meines aktuellen Lieblingsfotos aus dem Berchtesgadener Land (Hintersee bei Ramsau) möchte ich euch heute erklären, warum ich meine Fotos bearbeite, weshalb das auch sinnvoll so ist und wie mein Workflow aussieht.

Ich habe es schon angedeutet. Jedes meiner Fotos, das ihr auf diesem Blog seht, lief bei mir durch das Fotobearbeitungsprogramm Lightroom 6. Um die "kleine" Ethikfrage nach dem richtigen Programm direkt im Keim zu ersticken: Ich nutze Lightroom 6, die Kaufversion, weil ich Abo-Modelle, wie Adobe sie anbietet, abgrundtief hasse. Bisher komme ich gut damit klar, je nach dem wie Lightroom als nicht CC-Version weiter geupdatet wird (oder eben nicht), muss ich schauen, wie ich weiter bearbeiten kann. Programme wie der DNG-Konverter dürften aber auch dieses Problem lösen. Dass ich mit Lightroom sehr zufrieden bin, werdet ihr auch weiter unten, wenn es um meinen Workflow geht, erfahren.

Ich bearbeite meine Fotos, um das Optimale aus den Bildern herauszuholen. Jede Kamera kann in einem vorgefertigten JPEG-Format die Bilder abspeichern, oder im sogenannten RAW-Format. Dieses enthält viel mehr Bildinformationen, da sie durch das Kamerainterne Programm noch nicht bearbeitet und konvertiert wurden. Ich habe Zugriff für meine eigene Optimierung im Nachhinein - und kann alle Informationen dafür nutzen. Das ist auch wichtig so, da das menschliche Auge, vor allem aber die Kamera gerade Farben, aber auch andere Details nicht so wiedergeben kann, wie sie in der Natur existieren. Das ist auch der Grund der Nachbearbeitung. Ich gebe ein einfaches simples Beispiel, das auch oben im Titelbild zu erkennen ist: Während ich am Hintersee fotografiert habe, habe ich einen Verlaufsfilter genutzt. Die Kamera selbst kann nämlich nicht richtig belichten, wenn der Himmel hell und der Vordergrund dunkel ist. Dann ist das Bild entweder ausgebrannt im oberen Drittel, oder im unteren Teil abgesoffen. Der Verlaufsfilter hilft, korrekt belichten zu können. Und trotzdem kann auch mit ihm nicht die exakte Farbe aus dem Himmel abgebildet werden, weil die Kamera immer noch hinterher hinkt, wenn man so möchte. Allerdings sind jetzt alle Bildinformationen im RAW-Bild abgespeichert, so dass ich sie hinterher so herholen kann, wie sie tatsächlich existiert haben.

 

Die Ethikfrage der Fotografie. Soll oder darf man Fotos nachbearbeiten? Diese Frage muss wohl jeder selbst für sich beantworten. Ich habe eine klare Meinung dazu: Foto-Optimierung ja, Foto-Manipulation nein. Denn gephotoshoppte Fotos haben für mich nichts mehr mit Fotografie zu tun. Zusammengesetzte Bild-Cpmposings sind keine Fotos, sondern Bilder, von mir aus auch "Kunstwerke" - in irgendeiner Form. Dazu kann man aber auch eine ganz andere Position einnehmen - es ist nur eine subjektive Meinung ;-)
Fotos nachzubearbeiten, die im RAW-Format geschossen wurden, macht für mich dagegen durchaus Sinn aus oben genannten Gründen. Sie sind dafür gemacht, entwickelt zu werden: Ähnlich wie in früheren analogen Zeiten Fotos in der Dunkelkammer entwickelt werden mussten. Aus diesem Grund nutze ich auch nur Lightroom: Das Programm ist für mich ein Fotooptimierungs- und -sortierungsprogramm, das Bildinhalte, wenn man es korrekt benutzt, nicht verfälscht.

Selbstverständlich muss nicht jedes Bild bearbeitet werden. JPEG-Fotos schon gar nicht. Und doch macht es für mich Sinn, Bilder, die ich so fotografiere, damit ich sie im Nachhinein entwickeln kann, auch entwickle.

 

 

Mein Bearbeitungs-Workflow. Für alle, die genauer wissen möchten, wie ich Lightroom 6 nutze, eine kleine Zusammenfassung:

  • Import: Ich importiere tatsächlich alle geschossenen Fotos in Lightroom. Adobe Bridge (kostenlos) nutze ich nicht. Der einfache Grund: Als ich mit Lightroom begonnen habe, kannte ich Bridge nicht. Ich habe mich daran gewöhnt, meine Fotos in Lightroom durchzuschauen und zu sortieren. Natürlich kann dieser Schritt auch vorher in Bridge erledigt werden.
  • Sortierung: Ich schaue alle meine Bilder durch und bewerte sie währenddessen in drei Kategorieren. Dazu nutze ich die Bewertungs-Möglichkeit von Lightroom. Man kann die eigenen Fotos mit Sternen von eins bis fünf bewerten. Bilder, die ich nicht bearbeiten werde, weil sie mir nicht gefallen oder nichts geworden sind, bewerte ich nicht. Alle sehr interessanten Fotos, die ich sicherlich nachbearbeiten werde, bekommen fünf Sterne. Alle, die zwar interessant sind, aber auch nicht wirklich top, erhalten drei Sterne. Hier entscheide ich immer - nachdem ich die fün Sterne Bilder bearbeitet habe - ob ich sie noch hinterher bearbeiten möchte oder nicht; meist aus Lust und Laune heraus.
  • Bearbeitung: Die einzelnen Möglichkeiten möchte ich euch kurz vorstellen, genaue Anleitungen kann ich aber nicht geben. Ganz einfach, weil jeder jeden Regler ein wenig anders nutzt. Allerdings gibt es gute Youtube-Tutorials oder Fachliteratur.
    • Grundeinstellungen: Nutze ich mit am meisten. Tiefen und Lichter, Kontrast, Dynamik, etc. -all das erhält hier ein Fein-Tuning, eine Optimierung. Zusätzlich kommen Radialfilter oder Verlaufsfilter zum Einsatz, um bestimmte Teilstellen des Bildes noch besser herausholen zu können.
    • Gradationskurve: Nutze ich relativ selten. Wenn, dann versuche ich einen moody Look zu erschaffen. Dieser ist gerade total beliebt auf Instagram und Co - ich persönlich mag ihn auch, aber bin der Meinung, er passt nicht in mein Portfolio bzw. zu meinem Bildstil. Geschmackssache!
    • Farbton/Sättigung/Luminanz: Vor allem praktisch, um die Farben ein wenig besser an die Realität anzupassen. Meist ist das Kamera-Grün nämlich gar nicht so grün wie in der Natur. Türkis im Wasser lässt sich hier auch gut verstärken.
    • Teiltonung: Die Teiltonung nutze ich tatsächlich erst seit kurzem. Hier ist es wichtig, sie vor allem dezent einzusetzen. Sie lässt sich aber gut nutzen,um die Färbung im Himmel zu Sonnenauf- oder -untergang zu korrigieren bzw. verstärken. Wesentlich hierfür ist auch der Regler Weißabgleichung und Tonung in den Grundeinstellungen.
    • Details: Hier schärfe ich ausschließlich mein Foto nach und korrigiere die Rauschreduzierung.
    • Objektivkorrekturen: Chromatische Aberrationen entfernen, Profilkorrekturen (wenn sie nicht schon druch das Objektiv korrigiert wurden) aktivieren.
    • Transformieren: Nutze ich so gut wie nie.
    • Effekte: Dito.
    • Kamerakalibrierung: Ebenso.
  • Export: Anschließend werden die Fotos auf bester Qualität exportiert, dass sie so auch gedruckt werden können. Für Social Media und meine Website korrigiere ich die Qualität meist auf 1024px in der Breite herunter (via Lightroom oder Paint).

Ihr seht: Lightroom ist kein Hexenwerk und man kann es sich sehr schnell sehr leicht mit ein wenig Übung selbst beibringen. Ich persönlich bin mit der Kaufversion Lightroom 6 sehr zufrieden und habe bisher noch nie Photoshop-Funktionen brauchen können. Für ein paar Bildexperimente, die nichts mehr mit Fotografie zu tun haben, nutze ich die Kaufversion der abgespeckten Photoshop-Version Photoshop Elements 15. Ebenfalls empfehlenswert ist die mittlerweile kostenlose NIK Collection (einfach mal googeln). Das ist eine Ansammlung verschiedenster kostenloser Filter in einem kostenlosen Programm, mit denen Bildwirkung und Intensität ähnlich wie mit Lightroom bearbeitet werden kann. Nur über bereits existierende Filter, die man über Bider legt, und nicht mittels Regler. Ich bin aber aktuell auch noch daran, mich näher in NIK einzuarbeiten. Auf Wunsch gibt es dazu mal einen extra Erfahrungsbericht ;-)

 

Lasst mich gerne wissen, was ihr von Bildbearbeitung, Bildoptimierung und Bildmanipulation haltet! Es ist sicherlich ein interessantes Thema, das zum Diskutieren geschaffen wurde ;-)

 

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!