Ein kleiner Einblick in die Astrofotografie.

Dieser Blogbeitrag ist in Kooperation mit Sternfreunde Breisgau e.V. entstanden.

Es ist einfach faszinierend: Auch wenn man nicht viel mit Astronomie ma Hut hat, ist der Blick in den sommerlichen Nachthimmel immer wieder ein Traum. Schon mit bloßem Auge kann man den Bogen der Milchstraße erkennen. Auch Planeten wie Jupiter oder Saturn scheinen als helle Lichter am Firmament. All das kann man auch (mehr oder weniger einfach) fotografieren. Ein paar Dinge gibt es jedoch zu beachten - und die möchte ich euch in diesem Blogbeitrag vorstellen.

 

Es wird eine lange Nacht.

War nachts die Milchstraße oder andere Himmelskörper fotografieren will, wird lange Zeit wach bleiben. Es ist schließlich ja nicht so, dass man um 23 Uhr - oder wann auch immer die Milchstraße zu sehen ist - direkt sein Foto schießen kann und dann fertig ist. Astrofotografie bedeutet Vorbereitung. Nicht nur zu Hause am PC, sondern auch on location. Oftmals bin ich schon eine Stunde, manchmal zwei Stunden vor der eigentlichen Sichtbarkeit des galaktischen Zentrums vor Ort. Und das ist dann meistens auch gleich so früh, dass man den Sonnenuntergang und/oder die blaue Stunde "mitnehmen" kann.

 

Im Optimalfall sucht man sich also im Voraus einen Spot, an dem man vor der Milchstraße auch noch den Sonnenuntergang fotografieren kann. Dann wird der Abend und die Nacht zwar lang, aber man hat ein paar schöne und unterschiedliche Bilder.

 

Und dann geht auch schon die Vorbereitung für die Nachtfotografie los. Was dabei zu beachten ist, liest du im folgenden Absatz.

 

Milchstraße fotografieren.

Bevor du dein (erstes) Foto der Milchstraße knipsen kannst, musst du dich vorbereiten. Theoretisch kannst du den hellen Streifen auch mit MFT oder APSC fotografieren, Vollformat hat hier aber schon seine Vorteile. Das wichtigste jedoch ist, dass du raus in die Natur und vor allem ins Dunkle gehst. Je höher und weiter von Städten weg, desto besser. Denn sonst siehst du von der Milchstraße einfach nichts.

Die Milchstraße siehst du in unseren Breiten vor allem zwischen März und September. Es gibt jedoch auch eine Wintermilchstraße, dort sieht man das galaktische Zentrum jedoch nicht - das ist der breite, dicke und richtig schöne Teil, den du eigentlich auf den meisten Fotos erkennen wirst.

 

Zum Fotografieren solltest du neben Streulicht von Städten auch Mondlicht meiden. Die beste Phase ist sicherlich Neumond, dann ist es nämlich wirklich dunkel am Nachthimmel. Aber auch bei Viertelmond kann man die Milchstraße fotografieren - am besten, wenn der Mond untergegangen ist.

 

Apps wie PhotoPills erleichtern die Planung. Entscheidend ist ja schließlich auch, in welchem Zeitraum in der Nacht die Milchstarße zu sehen ist. Im Frühjahr ist das eher zwischen 01.00 und 03.00 Uhr der Fall, im (Spät-)Sommer eher zwischen 04.00 und 05.00 Uhr oder schon gegen 22.20 bis 01.00 Uhr.

 

Wenn du den perfekten Termin mit perfektem Wetter ausgemacht hast, geht's raus zum Fotografieren. Sei rechtzeitig da, baue entspannt auf und bereite dich vor. Es hilft beispielsweise, die Bildschirmhelligkeit an der Kamera zu dimmen, um die Bilder vor Ort besser beurteilen zu können.

 

Die Einstellungen triffst du gänzlich manuell. Fokussiere wenn möglich auf ein fernes, erleuchtetes Objekt oder einen hellen Stern. Der ISO liegt normalerweise zwischen 3200 und 6400. Scheue dich nicht, auch mal bei Vollformat auf ISO 12800 zu gehen. Die Fotos in diesem Blogbeitrag sind mit dieser hohen ISO entstanden. Die Blende öffnest du so weit wie möglich - in der Regel auf F2.8, wenn sogar F1.8 oder F1.4 möglich ist, ist es noch besser.

 

Beachte bei der Verschlusszeit die 300er-Regel, damit die Sterne keine Striche werden, sondern Punkte bleiben:

  • Vollformat: 300 geteilt durch Brennweite in mm
  • APSC: 300 geteilt durch (Brennweite in mm multipliziert mit 1,5)

In der Nachbearbeitung kannst du mit Lightroom und/oder Photoshop viel rausarbeiten. Mein Tipp: Schieße vor Ort 10 "exakt gleiche" Bilder. Mach' also ca. 10 Mal das gleiche Bild von einem Motiv - mit denselben Einstellungen. Mit der kostenlosen Windows-Software SEQUATOR kannst du die Fotos sehr einfach stacken und reduzierst so das Bildrauschen - und gleichzeitig wird die Milchstraße besser sichtbar (das kann man gut an der oberen Bilderreihe sehen: Das dritte Bild ist nicht gestackt aufgrund der immer wieder vorbeiziehenden Wolken - die Milchstraße ist weniger intensiv wie auf den anderen drei Fotos).

 

Ein Einstieg in die Astrofotografie.

In der Astrofotografie versucht man, kosmische Himmelsobjekte fotografisch festzuhalten. Das geht vom Mond über die Planeten unseres Sonnensystems oder Kometen bis zu weit entfernten astronomischen Nebeln oder Galaxien. 

 

Die Astrofotografie beginnt im Prinzip schon bei Landschaftsaufnahmen bei Nacht, auf denen man den Himmel sieht, oder Startrails, bei der der Himmel absichtlich so lange belichtet wird, bis die scheinbare Bewegung der Sterne auf der Aufnahme sichtbar wird. Diese Aufnahmen sind auch ohne spezielle Montierung mit normalen Fotostativen möglich. Besitzt man jedoch eine solche Montierung, kann man auch längere Belichtungen durchführen, wobei die Kamera immer auf das Objekt gerichtet bleibt, sodass keine Verwischungen wie bei der Startrails entstehen. 

 

Die Astronomie bietet einen Einblick in die Weite des Universums. Diese zu erkennen ist schon in der visuellen Astronomie sehr gut möglich, indem man einfach mit dem Auge durch das Teleskop schaut. Mit den langen Belichtungszeiten einer astrofotografischen Aufnahme werden auf den Bilder allerdings Strukturen von Sternen und Galaxien in einem Detailgrad und einer Schärfe sichtbar, die man visuell oft nur erahnen kann. Das macht den besonderen Reiz der Astrofotgrafie aus.

 

Wenn man fotografische Erfahrung und Ausrüstung hat, kann man im Prinzip direkt loslegen und eine Startrailaufnahme machen oder ein Objekt wie den Mond fotografieren. Vieles ist durch Ausprobieren zu lernen. Von da an kann man sich dann immer weiter vortasten. 

 

 

Es macht wenig Sinn, direkt am Anfang große Teleskope und spezielle Kameras zu kaufen. So ein System ist auch ohne Kamera und gerade am Anfang viel zu kompliziert, um direkt gute Beobachtungen oder Aufnahmen zu machen. Es kann sogar sehr frustierend werden. 

Besser sind anfangs Beobachtungen mit Ferngläsern und Spektiven, die auch für die Landschaftsbeobachtung geeignet sind. Gute Objekte sind hier z.B. der Mond, einige große Planeten und große Deep Sky Objekte wie der Orionnebel oder die Andromedagalaxie. 

 

Für die Astrofotografie empfehlen sich die Startrail- oder Nightscape-Aufnahmen als Einstieg, da hier noch keine Montierungen für eine Nachführung der Kamera benötigt werden. Auch der Mond ist durch die geringe Belichtungszeit gut geignet. Ebenso Andromeda und Orion (relativ groß, geringe Vergrößerung, kleinere scheinbare Bewegung, längere Belichtungszeit ohne Verwischen möglich; ist aber schon sehr an der Grenze des Machbaren, dann lieber mit Nachführung). Von hier aus wächst vielleicht die Lust auf mehr.
Dann ist es sinnvoll, sich mit anderen Interessierten zu vernetzen, voneinander zu lernen und Wissen anzueignen. 

 

Dieser Blogbeitrag ist in Kooperation mit Sternfreunde Breisgau e.V. entstanden. 

Die Sternfreunde Breisgau sind ein Verein von Amateurastronomen in und um Freiburg im Breisgau. Jeden Monat werden dort Vorträge zur Astronomie, Astrofotografie, Raumfahrt und verwandten Themen angeboten. Außerdem betreiben der Verein eine Vereinssternwarte auf dem Schauinsland, die den Vereinsmitgliedern zur Verfügung steht.

Mehr Infos zu den Sternfreunden Breisgau gibt's hier.

 

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

Fotografie spüren. - das bedeutet Landschaftsfotografie mit Leidenschaft, Herz und Seele. Hier berichte ich von meinen Fotoabenteuern und freue mich auf deinen Besuch!