~~~ Folge 3 ~~~

Martin Ziaja

(c) Martin Ziaja
(c) Martin Ziaja

 

Folge 3 von "B U G - Die Serie". Dieses Mal mit Martin Ziaja, der uns raus aus Deutschland über die weite See ins Vereinigte Königreich führt. Wer meinen Cornwall-Artikel kennt, der weiß, was England für Landschaften zu bieten hat. Das beweißt uns heute Martin erneut ;-)

 

Im Sommer 2017 befand ich mich gerade wieder auf einer Katalogproduktion für einen Reiseveranstalter in Spanien und Südfrankreich, als der Terroranschlag auf der Rambla in Barcelona verübt wurde. Viele der Teilnehmer meines Kunden waren direkt betroffen, was ein weiteres Fotografieren direkt im Anschluss an diese Tragödie vor Ort nicht möglich machte. Kurzerhand wurde der Shootingplan verworfen und ich wurde für fünf Tage nach Südengland geschickt, um dort weitere Destinationen zu fotografieren.

Eingebucht wurde ich für die Flüge bei Ryanair mit Handgepäck. Ryanair, d.h. 10kg Handgepäck und keine Stativmitnahme... Mit dieser Info saß ich also vor meinem Kamerakoffer und versuchte diesen so weit zu leeren, dass ich nur das Notwendigste zum Arbeiten noch dabei hätte und gleichzeitig die somit gewonnen Freiräume mit Klamotten und sonstigem Reisebedarf zustopfte, ohne die 10KG-Marke zu knacken. Das mit der Kleidung war gar nicht so schwer, da ich ja für vier Wochen Mittelmeerküste im Hochsommer gepackt und somit ohnehin nicht das Richtige für Südengland dabei hatte (noch heute danke ich meiner Frau, dass sie mich nötigte, doch auch eine Regenjacke einzupacken!).

Nachdem ich schließlich in Bournemouth gelandet war und im strömenden Regen nachts mein Hotel in der Innenstadt gefunden hatte, begann ich zum ersten Mal, mich mit der Gegend, in der ich nie zuvor war, zu befassen. Schnell erkannte ich, dass mir viele der Locations hier bekannt waren: Poole Harbour, Corfe Castle, Old Harry Rocks, Christchurch Cathedral und natürlich auch die berühmte Durdle Door mit der Man o' War Bay. Bei einem Pint im Pub legte ich mir also den Shootingplan für die nächsten Tage zurecht...

Neben den katalogrelevanten Aufnahmen plante ich auch landestypische und regional spezifische Aufnahmen mit ein, wodurch gerade Durdle Door für mich ein Muss darstellte, da sie ja eines der großen Highlights der Jurassic Coast ist. Bei meinem ersten Anlauf erreichte ich den Parkplatz leider in hauchfeinem Nieselregen, der einen innerhalb kürzester Zeit komplett durchnässte und eher Nebel glich, so dass die berühmte Klippenformation nur aus nächster Nähe zu erkennen war. Beim zweiten Mal hingegen war ich sehr zuversichtlich, da sich bei meinen Aufnahmen von Corfe Castle gerade die Wolken lockerten und aufrissen und ich auf einen schön farbigen Sonnenuntergang hoffen konnte.

Also bin ich zum zweiten Mal runter an die Jurassic Coast gefahren, habe das Auto am Campingplatz oberhalb von Durdle Door abgestellt und bin den kurzen Fußweg runter an die Küste wieder heruntergewandert. Zu recht! An der Location angekommen, packten die letzten Strandbesucher gerade ihre Badesachen zusammen, vereinzelt sah ich noch andere Fotografen am Strand oder an den Klippen verteilt stehen und die Wolken waren wirklich fast völlig verschwunden. Für den Katalog fotografierte ich einige Aufnahmen mit kurzen Verschlusszeiten, Fußspuren im Sand etc. aber als das Licht dann spannend wurde, meldete sich eher der Landschaftsfotograf in mir zu Wort...

Ich stieg die Treppen wieder bis zu einem kleinen Vorsprung empor, von wo aus den Steinbogen und die nach Westen folgende Küste gut mit einem Ultraweitwinkel ins Bild bekam. Hierfür nutze ich eines meiner beliebtesten Hilfsmittel schlechthin: Ein kleines Bodenstativ von Benro. Bei einer Höhe von ca. 20cm und praktisch keinem Eigengewicht (in der Regel nur mit meiner leichten Fuji X-T20 benutzt) unterzog ich es nun dem Härtetest und montierte meine Canon EOS 6D mit Batteriegriff und dem Tamron 17-35/2.8-4 darauf. Die Lichtsituation und die schräge Aufsicht erforderten außerdem noch mehrere Filter, weshalb ich den Haida Filterhalter (das 100er-System) mit einem Pol-, einem Grau- und einem Grauverlaufsilter bestückte. Der Polfilter reduzierte die Reflexionen im Wasser, wodurch dessen Farbe besser sichtbar wurde und verlängerte die Belichtung um ca. zwei Blendenstufen. Dies reichte mir aber nicht, um die große Wasserfläche zu beruhigen. Daher kam der Graufilter (ND3,0) zum Einsatz, der die Belichtung um das 1000fache verlängerte, also zehn Blendenstufen schluckte. Somit erhiehlt ich die gewünschte Belichtungszeit, um das Wasser komplett zu beruhigen. Nur die Sonne fraß noch aus, denn wie erhofft blickte sie unter der Wolkenschicht am Horizont immer mal wieder kurz hervor. Daher griff ich noch zu einem ND1,6  Reverse Grad, der, leicht gedreht, den hellen Horizont stark abdunkelte und die Wolken und vor allem den Strand nicht so sehr beeinflusste, dass ich den Motivkontrast mit einer einzigen Belichtung auf den Chip bannen konnte. Glücklicherweise blitzte zwischenzeitlich hier und da die Sonne aus einem Spalt hervor, so dass Durdle Door auch noch etwas direktes Sonnenlicht abbekam.

Glücklich und vor allem trocken packte ich nach dem Afterglow zusammen, marschierte die Klippe wieder hinauf zum Parkplatz und freute mich auf ein gemütliches Abendessen im Pub meiner Wahl...

Dorset mit seiner Jurassic Coast, den vielen kleinen englischen Dörfchen und Burgen und natürlich den bekannten großen Pieren kann ich nur wärmstens für einen Fototripp empfehlen - ich war mit Sicherheit nicht zum letzten Mal dort!

 

Martin Ziaja arbeitet hauptberuflich als Fotograf, Dozent und Reiseleiter. Sein (Fotografie-)Herz hat er an Schottland verloren, wozu er auch Gründer und Admin der größten deutschsprachigen Facebook-Gruppe zum Thema "Schottland - Reisen und Fotografie" ist.

 

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Fotografie spüren. | Niklas Batsch

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